Was wir aus der Zwei-Block-Welt gelernt haben

Veröffentlicht in Latest Developments on 26. Februar 2016

Von Sam Stoddard

Sam Stoddard came to Wizards of the Coast as an intern in May 2012. He is currently a game designer working on final design and development for Magic: The Gathering.

Vor rund anderthalb Jahren erschien Mark Rosewaters Artikel „Metamorphose“, der die neue Blockstruktur und die Gründe für ihre Einführung erläuterte. Beim Erscheinen dieses Artikels klang das alles noch nach Zukunftsmusik, doch jetzt nähern wir uns mit schnellen Schritten jenem Zeitpunkt, an dem Khane von Tarkir und Schmiede des Schicksals aus dem Standard rotieren und unsere erste Frühlingsrotation stattfindet. Ich für meinen Teil bin schon sehr gespannt darauf.

Auch wenn ihr diese Rotation nun bald zum ersten Mal erleben werdet, haben wir sie intern schon zweimal hinter uns. Ich kann zwar keine hundertprozentig verlässliche Einschätzung darüber abgeben, wie sie in der echten Welt verlaufen wird, aber ich kann euch einen Eindruck davon vermitteln, wie sie von uns intern wahrgenommen wurde und was wir aus dem neuen Blockschema und der neuen Rotation gelernt haben.

Veränderungen sind nicht leicht

Es überrascht euch sicher nicht, dass wir genauso leicht auf unseren ausgetretenen Pfaden stecken bleiben können wie ihr, wenn es um die Umsetzung geplanter Unterfangen geht. Wenn die Dinge gut laufen – und das tun sie für Magic, wie ich meinen will –, dann ist es leicht, einfach genau so weiterzumachen wie bisher und dies als Beweis dafür herzunehmen, dass man alles richtig macht. Sicher, wir hatten uns mit den dritten Sets beinahe so lange geplagt, wie wir Magic machten, aber wir hatten bis vor Kurzem auch keinerlei Veränderungen angestrebt – außer einigen Experimenten im Lorwyn/Schattenmoor-Block (mit gemischten Ergebnissen).

Die größte Herausforderung in dieser ganzen Angelegenheit war, den allerersten Schritt zu tun und sie auch wirklich in Angriff zu nehmen. Das erforderte umgehend eine Menge Arbeit von den Teams für Story und Illustrationen (die sich nun um zwei Welten pro Jahr kümmern müssen) sowie dem Designteam (das seinen Erkundungsdesignprozess beschleunigen und den Siebenjahresplan für die Welten überarbeiten musste). Die Entwickler kamen ungefähr zur gleichen Zeit ins Spiel, auch wenn ihr Einsatz etwas länger brauchte, um seine Wirkung zu entfalten. Es bedurfte intensivem Theorycrafting, um in dem neuen Rotationsschema alles zum Laufen zu bringen, und es sollte fast ein Jahr dauern, bis wir das Format überhaupt intern testen konnten. Glücklicherweise trafen wir einige wichtige Entscheidungen – wie beispielsweise Khane zum ersten Set zu machen, das statt Kampf um Zendikar herausrotierte, denn Khane war nicht unter diesem Modell angelegt gewesen. Nach dem ursprünglichen Plan wäre Kampf um Zendikar ein Block aus drei Sets gewesen, wodurch die Fetchländer das ganze Jahr über im Standard geblieben wären. Wir hatten es sehr wohl auf eine gewisse Überschneidung abgesehen, aber wir wussten auch, dass wir sie nicht das ganze Jahr lang haben wollten, wenn als Nächstes ein Besuch in Innistrad anstand. All das führte zu dem, was die wahrscheinlich spannendste Herbsterweiterung in jüngster Zeit wurde – etwas, worüber ich persönlich mich wirklich sehr freue.

Je mehr wir uns auf die Entwicklung der Zwei-Block-Welten stürzten, desto klarer wurde uns, dass wir unsere sämtlichen Prozesse und Abläufe neu überdenken und viele von ihnen auch entsprechend überarbeiten mussten. Die beschleunigte Rotationsrate gibt uns einige interessante Möglichkeiten für eine Überschneidung von Kombinationen aus zwei Karten oder andere mechanische Verflechtungen im Standard, sofern man sie für die richtige Zeitdauer vorantreibt. Im alten Modell hätten wir niemals Kampfländer und Fetchländer einander überlappen lassen, denn das wäre dann ein ganzes Jahr über so geblieben. Nun, dieses Experiment scheint weniger gut fürs Standardformat ausgegangen zu sein, als ich gehofft hatte, aber ich glaube, dass wir einiges daraus gelernt haben, was zukünftig zu besseren Umgebungen im Standard führen wird. Ich glaube, es ist wichtig, uns zu überlegen, wie wir sichergehen gehen können, dass Magic auch in zwanzig Jahren noch möglichst gut ist, und das bedeutet, dass wir von Zeit zu Zeit solche Experimente durchführen müssen. Daten sind wichtig.

Bekannte Unbekannte

In etwas mehr als einem Monat wird Schatten über Innistrad erscheinen – und das bedeutet eine Menge Dinge für uns. Zunächst einmal ist es ein wirklich tolles Magic-Set. Großartig, das finde ich super – aber wir haben schon einen ganzen Haufen toller Dinge veröffentlicht. Das neue Set bedeutet jedoch außerdem, dass wir sehen können, wie gut unsere Planung in der echten Welt funktioniert. Dies ist der erste echte Test des Zwei-Block-Modells, bei dem wir ein Frühlingsset veröffentlichen, das denselben Einfluss haben wird, wie ihn zuvor nur das Herbstset hatte. Und das heißt auch, dass wir im Standard rotieren – etwas, was wir zu diesem Zeitpunkt bisher noch nie getan haben.

Als wir mit dieser Sache anfingen, wussten wir dank unserer Erfahrungen aus den letzten beiden Jahrzehnten genug darüber, was uns beim Erschaffen eines Sets erwartete. Wir konnten die wichtigsten Herausforderungen im Voraus auf dem Papier erarbeiten, uns auf eine Welt ohne Hauptsets einstellen, herausfinden, wie man Überschneidungen zwischen allen drei Blocks im Standard etabliert, und Wege entwickeln, um das Limited interessanter zu gestalten. Wir wussten aber auch, dass uns einige Dinge durchgehen würden. Zum Glück sind uns viele davon aufgefallen, bevor sie sich zu echten Problem auswachsen konnten. Beispielsweise mussten wir den Siebenjahresplan ein wenig durcheinanderwerfen, um bestimmten Blockmotiven gerecht zu werden und zu gewährleisten, dass jeder Block auch die optimalen Chancen hat, ein Erfolg zu werden. Doch obwohl es uns gelang, diverse Problemstellen aufzuspüren, wissen wir, dass wir andere mit Sicherheit übersehen haben, und nun ist es an uns, so schnell und so gut wie irgend möglich darauf zu reagieren.

Der schwierigste Teil dabei, zum Zwei-Block-Modell überzugehen, ist für die Entwickler der, einen gelungenen Versuch zu unternehmen, das Standardformat ohne all die Werkzeuge zu formen, die uns in der Vergangenheit dafür zur Verfügung standen. Es war einfacher zu sagen: „Da es nächstes Jahr um Verzauberungen geht, sollten wir auf keinen Fall einen Seelenruhe-Effekt im Rückkehr nach Ravnica-Block zu haben.“ Oder: „Da sich nächstes Jahr alles um Artefakte dreht, versuchen wir lieber nichts im Zendikar-Block zu haben, was sie zu sehr hasst.“

Das Finden der Trennlinie

Kampf um Zendikar/Eid der Wächter ist beileibe nicht das erste Mal, dass wir zwei Sets eines Blocks mechanisch voneinander getrennt haben, aber bei ihnen finden sich einige der deutlichsten Unterschiede. Der Grund dafür war, dass Kampf sich nur um Ulamog drehte und Eid nur um Kozilek. Ich glaube zwar, dass so einige coole Karten und ein sehr interessantes Limited entstanden, aber ich finde auch, dass im ersten Set zu viele Motive auftauchten. Wenn man Zehren und Landung mag, hat Eid einem nur noch recht wenig zu bieten. Der Vorteil ist, dass wir die Mechaniken, die im zweiten Set nicht auftauchen, im ersten stärker in den Vordergrund rücken können. Der Nachteil ist, dass wir sie im Großen und Ganzen nicht voll ausschöpfen können. Im alten Modell wäre das dritte Set eventuell schon so stark abgewichen und wäre auch allein gedraftet worden – wie bei Aufstieg der Eldrazi oder Avacyns Rückkehr –, aber im zweiten Set hätten wir das nicht getan.

Nachdem wir an Eid gearbeitet hatten, wussten wir, dass diese Trennlinie beim Anlegen des ersten und des zweiten Sets eine große Umstellung unserer Betrachtungsweise von Blocks im Allgemeinen erfordern würde. Wir können (und sollten) einige Mechaniken auf beide Sets verteilen, aber wie viel vom Potenzial einer Mechanik verwenden wir im ersten Set und wie viel im zweiten Set? Wenn wir euch als Spielern im ersten Set nicht genug von einer Mechanik bieten, wird sie womöglich für langweilig befunden und im zweiten Set nicht mehr ausreichend beachtet. Bieten wir euch zu viel davon, fühlt sich das zweite Set unter Umständen nicht neu genug an.

Eine der größten Fragen, vor der wir im Zusammenhang mit dem Zwei-Block-Modell stehen, ist, wie wir die Sets voneinander abgrenzen. Im Kampf um Zendikar-Block mag das noch ziemlich einfach gewesen sein, aber wir werden nicht jeden Block auf diese Weise anlegen. Die Art, wie Schatten über Innistrad und Düstermond sich spielen, wird sich von der unterschieden, wie Kampf um Zendikar und Eid der Wächter aufgebaut waren, denn schließlich haben wir etwas aus Eid und Kampf gelernt. „Lock“ und „Stock“ werden wiederum wahrscheinlich ein paar Dinge aufgreifen, die wir aus den vorangegangenen beiden Blocks gelernt haben, und diese Dinge iterieren, genau wie „Barrel“ und „Laughs“. Es könnte ein paar Anläufe brauchen, aber ich glaube, je tiefer wir in das Zwei-Block-Modell einsteigen, desto besser werden wir all die Mittel begreifen, die uns nun zur Verfügung stehen, um Sets voneinander abzugrenzen.

Ich würde sagen, dass der Wechsel der Draftstruktur hin zu Eid-Eid-Kampf anstelle von Eid-Kampf-Kampf ein gewaltiger Schritt nach vorn war. Wie in einem früheren Artikel erwähnt, diskutierten wir diesen Wechsel schon seit Schmiede des Schicksals, fanden aber, dass das Format noch nicht dafür bereit war. Daher beließen wir es damals bei Schmiede-Khane-Khane. Die Veränderung, Eid zu dieser Umgebung hinzuzufügen, war meiner Meinung nach fürs Limited eine ganz hervorragende Sache. Die Spieler baten bereits seit einer geraumen Weile darum, und wir hatten intern sogar schon bei der Veröffentlichung von Kinder der Götter darüber gesprochen, doch im Drei-Block-Modell wirkte es noch recht eigenartig. Die neue Struktur war demzufolge der perfekte Platz für diesen Wandel, und ich glaube, er funktioniert gut und wird das auch weiterhin tun.

Das war‘s für diese Woche. Schaut auch nächste Woche wieder bei Latest Developments vorbei, wenn ich darüber spreche, wie wir die Mächtigkeit der besten häufigen Karten im Limited ausbalancieren.

Bis nächste Woche

Sam (@samstod)

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