Der Dank des Konsulats

Veröffentlicht in Magic Story on 19. Oktober 2016

Von James Wyatt

James Wyatt joined Magic’s creative team in 2014 after more than 14 years working on Dungeons & Dragons. He has written five novels and dozens of D&D sourcebooks.

Was bisher geschah: An ebenjenem Ort

Der Metallmagier Tezzeret hatte vor, an Pia Nalaar ein Exempel zu statuieren, indem er sie zu einem öffentlichen Duell herausforderte. Die Planeswalker der Wächter jedoch – angelockt durch Tezzerets Anwesenheit auf Kaladesh – unterbrachen den Zweikampf und befreiten Pia aus der Gefangenschaft des Konsulats. Tezzerets Pläne sind allerdings nie geradliniger Natur, und selbst das öffentliche Spektakel diente einem anderen Zweck – wie Dovin Baan bald erfahren wird ...


Dovin Baan schüttelte verärgert den Kopf. Überall um ihn herum entfaltete sich ein unvollkommener Plan zu völligem Chaos.

Auf dem gesamten Messegelände beschlagnahmten die Soldaten von Sicherheitschefin Ranaj auf ihre typisch grobschlächtige Art Erfindungen, während Automaten eine kaum verhohlene Bedrohungskulisse aufbauten, um der Autorität der Vollstrecker Nachdruck zu verleihen. Zu allen Seiten war Streit ausgebrochen, hier und da kam es zu Handgemengen und Erfinder drückten lautstark die erwartete Bandbreite an Gefühlen aus: von wütender Empörung bis hin zu niederschmetternder Verzweiflung. Und über allem lag eine Panik, ein Drängen der Menge weg von der Arena, wo Tezzeret eigentlich gerade seine Vorstellung gegen die Renegatin Pia Nalaar zu Ende hätte bringen sollen. Doch Tezzeret war mit dem Flaggschiff des Konsulats zum Ätherturm hinaufgetragen worden, wohin folglich auch Dovin gelangen musste – durch all dieses Chaos.

Hätte Tezzeret mich einfach konsultiert, bevor er die Vollstrecker aussandte, dachte Dovin, würde das alles so viel reibungsloser vonstattengehen.

„Sie!“, herrschte er eine Vollstreckerin in der Nähe an, deren Schärpe sie als Offizierin kennzeichnete. „Es ist erforderlich, diese Menschenmenge aufzulösen, bevor sie sich zu einem gewaltsameren Ausdruck ihres Verdrusses hinreißen lässt.“ Die Offizierin folgte seinem ausgestreckten Finger und nickte bestätigend. Sie öffnete den Mund, um seine Anweisung weiterzugeben, doch er war noch nicht fertig.

„Weiterhin muss dieser Mann dort etwas vorsichtiger mit seinem Schwert umzugehen lernen, bevor er noch einem Bürger – oder sich selbst – einen Arm abhackt. Dieser Karren dort kann das Gewicht jenes sogenannten „Manaschatzes“, der auf ihm verladen wird, nicht tragen, und Sie müssen sicherstellen, dass es keinem Ihrer Vollstrecker in den Sinn kommt, ihn zu betreten.“ Er war es gewesen, der dafür gesorgt hatte, dass dieses Gerät – eine Erfindung der ätherologischen Gesellschaft – auf der Messe zur Sicherheit der Besucher eingezäunt worden war. Er zuckte zusammen, als eine Achse unter dem Gewicht des Geräts brach und sechs kräftige Soldaten in dem Versuch umherstolperten, es daran zu hindern, auf einen von ihnen herunterzukippen.

Die Offizierin rannte auf die Katastrophe zu, vergaß in ihrer Eile all seine anderen Mahnungen und Dovin seufzte. Es war also an ihm, das nächste Unglück zu verhindern. Er eilte auf die Schar trotziger Erfinder zu und griff sich unterwegs zwei Vollstrecker.

„Gehen Sie weiter, Bürger“, sagte er. „Zu Ihrer eigenen Sicherheit.“ Er schubste die beiden Soldaten vor sich und sie begannen, die Leute zu verscheuchen. Gut. Weiter.

Ah, wieder zu spät! Der Tollpatsch mit dem Schwert hatte sich bereits geschnitten. Glücklicherweise war die Wunde weit weniger schwer, als sie hätte sein können, und jemand kniete schon neben ihm, um ihm den Arm abzubinden. Dovin nickte zufrieden, dass diese Versorgung der Verletzung ausreichend war, zeigte sich aber noch immer irritiert darüber, dass sie sich überhaupt als nötig erwiesen hatte.

In der Nähe wiegte eine Erfinderin einen eleganten Thopter in den Armen, als wäre er ein Kind. Als ein Vollstrecker auf sie zutrat, sah Dovin sofort, wie sich alles abspielen würde: Der Vollstrecker würde ihr das Ding aus den Armen reißen, die Erfinderin würde ihren Ärger hinausschreien und versuchen, sich den Thopter wiederzuholen, und dann würde der hinter dem Vollstrecker aufragende Bastion-Automat sie festhalten müssen. Würde es so viel länger dauern, es richtig zu machen? Die Marke vorzeigen, das Anliegen vortragen, versprechen, den Thopter mit allergrößer Vorsicht zu behandeln, und sich vergewissern, dass er mit dem Namen der Erfinderin versehen ist.

Doch offensichtlich war das zu viel verlangt. Ehe er am Ort des Geschehens hätte eintreffen können, spielte alles sich genau so ab, wie Dovin es vorhergesehen hatte, und der Automat musste die Erfinderin so lange in Schach halten, bis sie sich abwandte und – offenkundig zum Handeln bereit – in die andere Richtung davonstürmte.

Es war ein unvollkommener Plan, der schlampig ausgeführt wurde. Von seinem geliebten Konsulat hatte er mehr erwartet. Doch andererseits war er es auch gewohnt, konsultiert zu werden und die Gelegenheit zu haben, derartige Pläne zu verfeinern, bevor sie umgesetzt wurden, anstatt hinterher die Scherben aufzulesen. Das Konsulat hatte seine Talente erkannt und so war er zum leitenden Inspekteur aufgestiegen, um neue Entwürfe zu begutachten und Sicherheitsstandards festzusetzen. Auch Tezzeret hatte sein Potenzial erkannt: seine Fähigkeit, nicht nur in Erfindungen, sondern auch in den verzwickten, komplexen Abläufen der Bürokratie des Konsulats, der Erfindermesse und Tezzerets eigenem Aufstieg an die Macht Unzulänglichkeiten aufzuspüren. Ja, auch Letzteres war Dovin aufgefallen, und er hatte dem Metallmagier unmerklich dabei geholfen, den einen oder anderen Makel in seinem Plan zu bereinigen. Und dafür hatte Tezzeret ihn belohnt.

Was war nur geschehen?, fragte er sich.

Hatte er aus irgendeinem Grund Tezzerets Gunst verwirkt? Machte Tezzeret ihn für die Ankunft dieser anderen Planeswalker verantwortlich? Dovin spürte, wie er trotzig wurde. Diese anderen Planeswalker – die „Wächter“ – zu kontaktieren, war unter den Umständen und mit den ihm damals zur Verfügung stehenden Informationen die bestmögliche Herangehensweise gewesen. Das konnte Tezzeret ihm kaum übel nehmen.

Nun, der Schaden war angerichtet. Die Planeswalker waren hier und die Vollstrecker taten das, was Tezzeret ihnen aufgetragen hatte. Und es war an Dovin Baan, alles zu richten, so wie er tatsächlich alles in der Stadt richtete, was er im Rahmen seiner Fähigkeit richten konnte. Seine Talente hatten auch ihre Schattenseiten ... Man brauchte nur zu bedenken, wie schwer es ihm fiel, Fehler, die er bemerkte, unkorrigiert zu lassen. Er konnte nicht danebenstehen und zusehen, wie seine Stadt, sein Konsulat ins Chaos gestürzt wurden.

Als er sich weiter dem Turm näherte, schallte ein Geräusch wie von einer Trompete über den Platz. Gleich voraus schwang ein erlesen gefertigtes biotronisches Konstrukt nach dem Abbild eines Elefanten – der Erfinder hatte sich sogar die Mühe gemacht, sein lautes Schmettern zu imitieren – den Kopf hin und her und stieß mit den riesigen, gewundenen Stoßzähnen Vollstrecker zu Boden. Die Soldaten versuchten, sich darunter wegzuducken oder die biotronische Bestie mit ihren Speeren zu stechen, aber die Speerspitzen klapperten wirkungslos gegen seine Metallplatten. Dovin schürzte die Lippen, während er auf den Tumult zueilte.

Ich kann nicht überall dort sein, wo ich gebraucht werde, dachte er, um die Folgen dieser Fehlentscheidungen zu mildern.

Er griff nach dem Arm eines Vollstreckers und zog ihn gerade rechtzeitig zurück, um dem ausschlagenden Rüssel des Elefanten zu entgehen. „Hören Sie“, sagte er.

„Ich bin hier ziemlich beschäftigt“, erwiderte der Vollstrecker barsch.

„Wenn Sie ohne Plan beschäftigt sind, dann könnten Sie genauso gut nichts tun“, sagte Dovin. „Aufgemerkt und aufgepasst.“

Der Vollstrecker blinzelte ihn verwirrt an und Dovin ergriff die Gelegenheit zu einer Erklärung. „Schauen Sie hin. Stößt man mit dem Speer in Richtung der Kehle des biotronischen Tiers, so erhebt es sich auf die Hinterbeine. Jedes Mal. Danach tritt es mit den Vorderbeinen. Los, sagen Sie es ihnen.“

„Zielt auf die Kehle!“, rief der Vollstrecker und einer seiner Begleiter gehorchte.

Mit einem Trompeten bäumte sich der Elefant auf und trat mit beiden Vorderbeinen, um den gehorsamen Vollstrecker aufs Pflaster zu schicken. Dovin seufzte.

„Sehen Sie dort“, sagte er und deutete auf den Bauch des Elefanten. „Die Qualität der Arbeit dort ist mangelhaft, typisch für Renegaten. Ein Kabel in der Nähe der Hüften liegt frei, wann immer es sich auf diese Weise aufbäumt. Alles, was nötig ist, ist, dieses Kabel zu durchtrennen, um den gesamten Automaten zum Zusammenbrechen zu bringen.“

Der Vollstrecker nickte und warf sich zurück ins Getümmel, um zu tun, was Dovin ihn geheißen hatte. Dovin verschränkte die Arme und hielt ein Auge auf den Elefanten gerichtet, während er die Menge nach dem Biotroniker absuchte, der für diese Unordnung verantwortlich war.

„Ah“, sagte er, als er einen Elfen in der Menge erspähte.

Er trat vor und griff nach den Schultern einer anderen Vollstreckerin. „Die Aufgabe, das Kabel zu durchtrennen, fällt nun Ihnen zu“, sagte er zu ihr. Er drehte sie ein wenig nach links, gerade als sein neuester Schüler den Elefanten erneut zum Aufbäumen brachte.

„Los doch“, sagte er und schubste sie sanft nach vorn.

Der Elefant drehte sich leicht, als sie sich näherte, und schlug mit dem Rüssel nach ihr. Sie wich ihm aus – Gut gemacht, dachte Dovin – und schaffte es, das freiliegende Kabel mit ihrer Stangenwaffe zu erwischen. Sie verlagerte ihren Griff, zog, die Klinge durchschnitt das Kabel, der Elefant fiel –

Und sein Rüssel ließ den elfischen Biotroniker zu Boden taumeln.

Dovin zeigte ihn den Vollstreckern. „Nehmen Sie diesen Elfen in Gewahrsam für diesen Aufruhr.“ Und damit schritt er weiter – Keine Ablenkungen mehr! – auf den Ätherturm zu, um Tezzeret zu finden.


Dovin erreichte den Turm und sah Tezzeret durch einen Gang stolzieren und Befehle blaffen. Er beeilte sich, um den Obersten Preisrichter einzuholen, und legte eine Hand auf Tezzerets Arm.

Hastig zog er die Hand zurück, als er gezacktes Metall unter dem Ärmel spürte. Natürlich. Er hatte schon vermutet, dass diese leuchtende Kralle, die aus dem Ärmel ragte, ein bestimmtes Gerät war, das vielleicht an Tezzerets Arm befestigt war, doch nun erkannte er, dass sie Teil des Arms war – ausgehend von seiner kurzen Berührung konnte er sogar Rückschlüsse auf die genaue Form unter dem weiten Stoff ziehen. Eine Ersatz-Gliedmaße? Und weit davon entfernt, elegant zu sein, wenngleich die Hand auch ausgesprochen funktional wirkte. Interessant. Eigenartig, dass Dovin das noch nie zuvor aufgefallen war. Hatte Tezzeret es verborgen gehalten?

„Was gibt es, Baan?“, fragte Tezzeret. Seine Haltung signalisierte Ungeduld, während sein Gesicht versuchte, unerschütterliche Ruhe auszustrahlen.

„Was ist denn das?“, erwiderte Baan und gestikulierte mit dem Arm hinter sich, um das Chaos der sich auflösenden Erfindermesse in seiner Gänze mit einzuschließen. „Welche Umstände könnten denn wohl derart drakonische Maßnahmen notwendig machen?“

Tezzeret deutete mit der Metallhand über Dovins Schulter. „Ich nehme an, Sie haben nicht gesehen, was in der Arena vorgefallen ist?“, meinte er.

„Ihr Erfinderduell mit der Renegatin? Ein überdramatischer Zug mit endlosem Potenzial für eine Katastrophe, worauf ich Sie, wenn ich mich recht erinnere, hingewiesen habe, sobald Sie mir Ihre Absichten mitteilten.“

„Ich bezog mich im Besonderen auf diese Meute aus sechs Planeswalkern, die dieses Duell unterbrachen und sich mit der Renegatin aus dem Staub gemacht haben.“ Tezzerets Gesicht zeigte nun klar seine Verärgerung. „Ich erinnere mich nicht daran, dass Sie diese mögliche Katastrophe vorausgesehen hätten.“

Dovin zählte an seinen Fingern ab. Da war natürlich die junge Nalaar, die durch ihre Ankunft das Spektrum möglicher Ausgänge der Situation stark erweitert hatte. Der Telepath, die Elfe, der Krieger, die Nekromagierin. Er hielt seinen kleinsten Finger fest. Wer war der sechste?

„Sie haben die Renegaten ermutigt“, sagte Tezzeret. „Die Lage gerät außer Kontrolle.“

„Doch war all dies wirklich nötig? Warum ihre Erfindungen beschlagnahmen und dann noch auf eine solch grobschlächtige Art? Ein kurzer Blick auf den Platz hätte ergeben, dass diese Handlung nur für weitere Provokationen sorgen und, wie Sie korrekt sagten, jene ermutigen würde, die sich der Autorität des Konsulats widersetzen.“

„Ruhig, Baan. Es ist ja nicht so, als stehlen wir ihre Erfindungen. Wir bewachen sie. Wir wollen doch nicht, dass derart kostbare Gerätschaften bei einem Angriff der Renegaten beschädigt werden?“

„Es gibt keinen Grund, in dieser Angelegenheit meine Meinung zu ändern, aber –“

„Und diese Gerätschaften sind nicht vollständig erprobt, wie Sie sehr wohl wissen. Sie sind nicht sicher. Wir können nicht so viel unlizenzierte Technologie einfach in der Stadt herumstehen lassen.“

„Das wäre selbstverständlich verantwortungslos“, sagte Dovin. „Doch es wäre produktiver gewesen, das vernünftig zu erklären. Anstatt Ranajs Vollstrecker auszuschicken, um Geräte aus den Händen ihrer von Trauer überwältigten Besitzer zu reißen, hätten wir Bürokraten mit Formularen zum Ausfüllen, komplizierten Zusicherungen und beruhigenden leeren Worten entsenden können.“

„Dazu ist keine Zeit“, knurrte Tezzeret.

Interessant, dachte Dovin. Tezzerets gesamte Haltung änderte sich, nur für einen kurzen Augenblick – als hätte ein Wutanfall von ihm Besitz ergriffen, seinen Körper einen Wimpernschlag lang zusammengedrückt und ihn dann ebenso schnell wieder freigegeben.

Dovin schlug einen besänftigenden Tonfall an. „Ich bin sicher, dass es immer lohnenswert ist, sich mehr Zeit zu nehmen, um den Frieden und die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten. Es ist zweifellos wahr, dass einige dieser Gerätschaften großes Potenzial haben, Personen und Eigentum zu beschädigen –“

„Ja. Ganz erhebliches Potenzial. Sehen Sie das nicht? Es ist wesentlich besser, wenn das Konsulat diese Dinge an sich nimmt und untersucht, anstatt dies wer weiß wem zu überlassen. Wir können sie weiterentwickeln, verbessern, perfektionieren.“

Dovin hielt einen Augenblick inne. „Ja, natürlich. Eine solche Entwicklung war schon von Beginn an bei der Planung der Erfindermesse ausschlaggebend. Der Fortschritt der Technologie zugunsten der Gesellschaft unter dem wachsamen Blick des Konsulats. Warum also –“

„Und wer wäre besser dazu geeignet, diese Bemühungen anzuleiten, als Sie?“

Dovin blinzelte und war einen Augenblick sprachlos. „Ich?“ Selbstredend war das die logische Wahl. Gerade eben hatte er noch geglaubt, Tezzerets Gunst verloren zu haben, und nun bot er ihm eine enorm wichtige Position an.

„Bevor ich Sie jedoch mit einer solch gewaltigen Aufgabe betrauen kann, müssen Sie etwas für mich klären. Diese anderen Planeswalker. Sie haben sie hergebracht?“

„Nun, streng genommen habe ich das nicht, nein. Ich habe einige von ihnen hierher eingeladen als Schutz vor einem möglichen Sicherheitsrisiko auf der Erfindermesse, insbesondere der Gefahr durch die Renegaten um Pia Nalaar. Die Planeswalker lehnten meine Einladung jedoch ab. Erst dann bekam die junge Nalaar Wind von meiner Einladung und kam auf eigene Faust hierher. Ich habe nur eine von ihnen mitgebracht. Die Elfe. Nissa.“

„Und sehen Sie, das bereitet mir Sorgen, Baan“, sagte Tezzeret und legte seine Hand aus Fleisch und Blut auf Dovins Schulter. „Ich schätze Ihre Voraussicht. Ihre Interaktion mit diesen Planeswalkern wirkt wie ein ganz und gar untypischer Fehler.“

Ein Fehler? Dovin runzelte die Stirn. „Tatsächlich war meine Entscheidung genau die richtige angesichts der mir zur Verfügung stehenden Informationen. Wer ist angesichts einer Gefahr durch die Renegaten besser geeignet, diese abzuwenden, als eine Gruppe selbst ernannter Helden mit solch gewaltiger Macht? Die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich auf die Seite jener Renegaten schlagen, war verschwindend gering, und es geschah nur aufgrund eines persönlichen Grolls, den vorherzusehen mir unmöglich war.“

„Und dies ist das Ergebnis“, sagte Tezzeret. „Sie treten mir in der Arena entgegen. Ich bin gezwungen, schneller zu handeln und ... so grobschlächtig, wie Sie es zu Recht nannten. Sie haben mich zum Handeln gezwungen.“ Er spannte die Metallhand an und Dovin machte unwillkürlich einen Schritt zurück.

„Sie müssen das in Ordnung bringen, Baan. Sie haben recht, dass diese Ereignisse die Renegaten anstacheln werden. Also halten Sie sie auf. Ich brauche ein sicheres Inquirium, in dem ich ohne Furcht vor Angriffen der Renegaten arbeiten kann. Die konfiszierten Erfindungen müssen für Ihre Untersuchung eingelagert und katalogisiert werden. Die Bastion muss in ständiger Alarmbereitschaft und bereit sein, sich jeder denkbaren Bedrohung zu stellen. Wir müssen sie daran erinnern, dass wir hier den Ton angeben.“

„Sie brauchen ein Inquirium?“, fragte Dovin. „Wozu?“

„Ich habe meine eigenen Forschungen anzustellen“, sagte Tezzeret und setzte seinen Weg den Gang hinunter fort. Dovin eilte ihm nach. „Rashmis Arbeit für den Wettbewerb hat beeindruckende Implikationen. Größer als diese kleine Rebellion, größer sogar als Kaladesh. Darauf will ich mich konzentrieren. Der Rest der Erfindungen gehört Ihnen.“

Wirklich?, dachte Dovin. Er hatte nichts anderes auf der Messe so sehr Tezzerets Aufmerksamkeit erregen sehen. „Also schön“, sagte er.

Nachdem Sie den Rest dieses Chaos beseitigt haben.“

„Selbstverständlich.“ Zuerst, dachte er, die Planeswalker.

Tezzeret drehte sich um und schritt ohne ein weiteres Wort davon. Dovin wandte sich an den Vollstrecker, der am nächsten bei ihm stand.

„Stellen Sie eine Einheit aus erfahrenen Soldaten zusammen“, wies er ihn an. „Gut ausgebildet, wenn es Ihnen nichts ausmacht, und verfolgen Sie diese ... Diese Fremden, diese Renegaten aus der Arena. Merken Sie sich meine Worte: Sie haben Schwächen, die ihr Versagen sicherstellen, wenn sie nur entsprechend ausgenutzt werden.“ Er zählte sie an seinen Fingern auf. „Sie haben keinen klaren Anführer, können also in unterschiedliche Richtungen gezogen werden. Die junge Nalaar ist hitzköpfig und leicht zu überstürztem Handeln zu provozieren. Die schwarzhaarige Frau genießt nicht das volle Vertrauen einiger der anderen, besonders nicht das des Kriegers. Sie sind dem traurigen Glauben erlegen, Helden zu sein, und man darf davon ausgehen, dass sie sich auch so verhalten. Sie werden versuchen, ihre schwächeren Verbündeten, wie etwa Oviya Pashiri, zu beschützen. Und sie rechnen damit, mit nur einem Minimum an Kosten oder Opfern zu gewinnen. Nutzen Sie diese Schwächen auf sämtliche Arten und Weisen aus, die Ihnen einfallen. Gehen Sie!“


In dem Augenblick, in dem er zurück nach draußen trat, schwirrte Dovin der Kopf. Der Platz war nun noch überlaufener als zuvor, wahrscheinlich vom Publikum aus der Arena. Viele von ihnen waren Erfinder, die nun herausfanden, dass die Vollstrecker Anspruch auf ihre kostbaren Erfindungen erhoben oder diese bereits fortgebracht hatten. Erneut schüttelte Dovin den Kopf über die Grobheit des Ganzen. Er musste sich nicht einmal auf dem Platz umsehen, um all das zu erkennen, was hier schiefging oder jeden Moment schiefgehen würde. Es war ein Chaos, wie Tezzeret gesagt hatte, und es war nicht seine Schuld. Doch Tezzeret hatte ihn mit der Aufgabe betraut, es zu beseitigen und niemand – seiner bescheidenen, aber präzisen Einschätzung nach – war besser dafür geeignet.

Er schlug sich erneut quer über den Platz, diesmal ohne Eile, und sammelte dabei eine kleine Schar Bastionsoffiziere um sich. Nach allem, was nun leider bereits unternommen worden war, war die wahrscheinlichste Schwachstelle, dass sich die öffentliche Meinung gegen das Konsulat richtete. Und das war keine einzelne Schwachstelle, sondern Dutzende, die die Integrität jener gesamten anfälligen Maschinerie namens Ghirapur bedrohte. Verstreute Ansammlungen unzufriedener Erfinder wurden wie Stechfliegen von seiner Wahrnehmung erfasst – ein Problem, dessen sich die Vollstrecker unter seiner Aufsicht annehmen mussten. Sie sanft mit wohlklingenden Beteuerungen auseinanderzutreiben, war an diesem Punkt vermutlich ausreichend, wobei auch ein paar strategische Verhaftungen notwendig sein dürften. Er schickte Offiziere zu jedem problematischen Punkt.

Andere Schwierigkeiten wurden wohl besser durch individuelle Interventionen behoben. Er bahnte sich seinen Weg zu einem Schauplatz brodelnder Emotionen. Ein hitzköpfiger, menschlicher Erfinder verkündete einer zwergischen Vollstreckerin seinen Unmut, während ein paar Automaten der Bastion versuchten, eine ausgefeilte Apparatur, deren Zweck nicht sofort ersichtlich war, anzuheben.

„Vielleicht kann ich hier behilflich sein“, sagte er und postierte sich zwischen Erfinder und Vollstreckerin. In solchen Situationen, so hatte Dovin festgestellt, konnte die typische Ruhe der Vedalken jene starken Gefühle besänftigen, die andere Spezies so offenkundig zur Schau stellten.

„Sie haben kein Recht dazu!“, schrie der Erfinder und brachte sein gerötetes Gesicht viel zu dicht an das Dovins, während er ihm einen Finger in die Brust stach.

„Zweifellos verstehe ich Ihre Verbundenheit mit diesem prachtvollen Gerät“, sagte Dovin und strich mit der Hand über das komplizierte Metallgeflecht. Nun verstand er seinen Zweck: Es stellte Thopter her. Schlau. Natürlich wurden auch seine zahlreichen Makel sofort offenbar, doch dies war nicht der Zeitpunkt, darauf hinzuweisen. „Eine wahrhaft erstaunliche Arbeit. Ihre Anwendung des Dujari-Prinzips hier ist genial.“ Und das war sie. Er machte sich eine geistige Notiz, das Gerät näher zu untersuchen, sobald es sicher in einem Laboratorium verstaut war. Nachdem man das gefährliche Ätherleck, das zweifellos Gremlins anzog, versiegelt hatte. „Ganz erhebliches Potenzial.“

Die gerunzelte Stirn des Erfinders glättete sich und seine Schultern strafften sich vor Stolz. „Ich danke Ihnen.“

„Ich versichere Ihnen, mein Herr, dass Ihr Gerät mit der allergrößten Sorgfalt behandelt wird, während es sich in der Obhut des Konsulats befindet.“

„Aber ...“

„Gewiss sind Sie mit dem Prozess vertraut, Erfindungen zwecks Sicherheitsinspektionen beim Konsulat einzureichen. Und sicherlich begreifen Sie auch, dass unter solch ungewöhnlichen Umständen wie diesen ...“, er machte eine ausladende Geste, die von der Erfindermesse selbst bis hin zu dem Moment der Konfiszierung durch das Konsulat alles hätte bedeuten können, „dieser Prozess etwas angepasst werden muss. Das Ergebnis wird jedoch das Gleiche sein. Und Ihre Arbeit könnte sehr wohl die Grundlage für den nächsten Durchbruch in der Fabrikationstechnologie darstellen. Das Konsulat ist sehr dankbar dafür.“

Ohne eine Antwort abzuwarten, wandte sich Dovin an die Vollstreckerin, die stirnrunzelnd das Gespräch verfolgt hatte. „Ich empfehle Ihnen nun, sich mindestens einen weiteren Automaten zu beschaffen, um dieses Gerät mit der gebührenden Sorgfalt bewegen zu können. Falls Sie warten möchten, schicke ich Ihnen einen her.“

Die zwergische Vollstreckerin sah aus, als sei Warten das absolut Letzte, was sie tun wollte, doch Dovin warf ihr einen strengen Blick zu, um klarzustellen, dass diese höfliche Formulierung nicht als Erlaubnis zu verstehen war, sich ihrem Inhalt zu widersetzen.

Dies war jene Art von Feingefühl, die Ranajs Vollstreckern fehlte, und Dovin fürchtete, dass das Ergebnis katastrophal ausfallen könnte.

Ähnliche Gespräche verlangsamten seinen Weg vom Ätherturm bis zu der Lagerhalle, in die die Erfindungen gebracht wurden. Er beruhigte ein halbes Dutzend Erfinder, löste drei weitere Gruppen entstehender Renegaten auf und half einem Eindämmungstrupp, mit einer Meute Gremlins fertigzuwerden, die sich auf dem biotronischen Elefanten niedergelassen hatte, als Äther aus seinem durchtrennten Kabel ausgelaufen war.

Im Gegensatz zur Furcht und Anspannung in der Stadt war die Lagerhalle von einer ganz anderen Art von Energie erfüllt, die augenblicklich Dovins Puls beschleunigte. Hochrangige Wissenschaftler und Erfinder aus jedem Inquirium des Konsulats in der Stadt waren zu einem einzigen Zweck hierhergeschickt worden: die monumentale Aufgabe anzugehen, all diese Erfindungen zu katalogisieren, einzulagern und zu erforschen. Diese Mauern bargen das Potenzial für einen technologischen Entwicklungssprung, der jenem des Großen Äthersturms ähnelte, der vor sechs Jahrzehnten den jetzigen Stand der Innovation eingeläutet hatte.

Und er trug für all dies die Verantwortung. Sämtliche Zweifel, die er ob Tezzerets guter Absichten gehegt hatte, verflogen.

Er konnte es kaum abwarten, endlich anzufangen. Sobald die Planeswalker in Gewahrsam genommen und die Renegaten zum Schweigen gebracht worden waren. Bald.

Erhöhte Präsenz der Bastion. Vielleicht Ausgangssperren. Wenn nötig eine Drosselung der Ätherversorgung, um Aktivitäten der Renegaten einzudämmen. Und angesichts der Makel der Wächter als Gruppe würden sie im Handumdrehen gefasst und eingesperrt werden. Sicherheit und Ordnung würden wiederhergestellt werden.

Und danach würde er all dies hier ganz in Ruhe erforschen können.


Kaladesh-Storyarchiv
Planeswalker-Profil: Tezzeret
Planeswalker-Profil: Dovin Baan
Weltbeschreibung: Kaladesh

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