Dein Wunsch sei Ojutais Befehl

Veröffentlicht in Reconstructed on 3. März 2015

Von Gavin Verhey

When Gavin Verhey was eleven, he dreamt of a job making Magic cards—and now as a Magic designer, he's living his dream! Gavin has been writing about Magic since 2005.

Normalerweise stellt sich bei Preview-Karten die Frage: „In welche Art Deck passt sie?“ Man muss sich überlegen, wo sie sich gut einfügt, welche Art Deck von ihrem Effekt profitiert, wie stark sie ist und so weiter.

Doch bei dieser Preview-Karte ist der Gedankengang etwas anders. Und das ist etwas, was meine Deckbauer-Augen zum Leuchten bringt.

„In welche Art Deck passt sie nicht?“

Ich meine, natürlich gibt es allein durch die Farben schon gewisse Einschränkungen. Doch abgesehen davon hat sie so viele verschiedene Anwendungsmöglichkeiten!

Gehen wir einen Schritt zurück.

Damals 2007 während des Lorwyn-Blocks wollten die Designer eine neue Art von Zauberzyklus machen. Vorher hatte es zwar bereits Amulette gegeben – Karten wie Dromars Amulett, bei denen man einen von drei Modi auswählte –, doch die waren diesmal nicht gut genug. Nicht für einen Zyklus seltener Karten.

Also dachten sie sich etwas Neues aus. Sie erfanden einen neuen Kartentyp, der Magic in seiner Gesamtheit beeinflussen sollte. Sie erfanden Befehle.

Anstatt einfach „nur“ eine von drei Optionen zu wählen, konnte man nun zwei von vier aussuchen! Wahrscheinlich seid ihr mit einer dieser Karten bestens vertraut: eine kleine Karte namens Kryptischer Befehl.

Was ihr aber vielleicht nicht wisst, ist, dass jeder einzelne Befehl ziemlich viel im Standard gespielt wurde. Gottloser Befehl tötete in Elfendecks Leute wie aus dem Nichts. Nüchterner Befehl ermöglichte weißen Decks eine selektive Boardkontrolle. Ursprünglicher Befehl gab Kreaturendecks einen kleinen Schubs in exakt die richtige Richtung. Selbst Befehl zur Brandstiftung wurde hin und wieder gespielt – sowohl als Sweeper als auch zur Landvernichtung!

Selbst heute noch sieht man diese Karten ab und an in Commanderdecks, in Cubes und gelegentlich sogar in Modern und noch weiter verbreitet. Kryptischer Befehl sorgte dafür, dass diese Karten nicht in Vergessenheit gerieten, und sie alle haben bleibenden Eindruck hinterlassen.

Nach Lorwyn war der Designraum für Befehle verriegelt. Niemand war bisher an diesen Ort zurückgelehrt. In der gesamten Geschichte von Magic gab es nur fünf Befehle. Trotz ihrer Beliebtheit wurde dieser Zyklus nie wieder von uns aufgegriffen.

Bis zu Tarkir. Nein, nicht einfach nur Tarkir. Bis zum neuen Tarkir. Bis zu einer Welt der Drachen.

Macht euch bereit für neue Vertreter der stolzen Befehlstradition.

Darf ich vorstellen? Ojutais Befehl!

Ich gebe euch mal einen Moment zum Verdauen. Nehmt alles in euch auf. Fangt an, über die sieben verschiedenen Möglichkeiten nachzudenken, wenn ihr diese Karte ausspielt.

In Drachen von Tarkir sind die fünf seltenen Drachen aus Schmiede des Schicksals zurück. Und sie hatten mehr als ein Jahrtausend Zeit, in ihre Position hineinzuwachsen. Sie sind nun Drachenälteste. Sie haben eine recht beachtliche Zahl an Drachen, die ihre Befehle ausführen, und ihnen stehen besondere Zauber zur Verfügung. Und jeder besitzt einen mehrfarbigen Befehl.

Und diese Befehle sind ... tja, sagen wir es doch einfach so: Man wird sie noch oft zu sehen bekommen.

Okay, nun also zu Ojutais Befehl. Schauen wir uns den doch mal einen Moment an.

  

Das Ziehen einer Karte ist Teil des Geheimrezepts, das schon zahlreiche andere Karten so mächtig gemacht hat. Wenn man einen Befehl verwendet, um zu ziehen und noch etwas anderes zu tun, dann weiß man, dass man in einer hervorragenden Situation ist. Man weiß, dass man einen guten Tausch gemacht hat, denn man konnte etwas wirken, ohne dass es einen eine Karte gekostet hätte! Diesen Modus wird man beim Ausspielen dieser Karte sehr oft wählen – und das ist auch ausgezeichnet so. Er macht einen riesigen Anteil der Stärke dieser Karte aus.

  

„Neutralisieren und ziehen.“

Seit der Zeit von Zurückweisung haben diese simplen Worte das Herz blauer Magier höher schlagen lassen. Sie waren toll auf Zurückweisung. Sie waren toll auf Ausschließen. Sie waren toll auf Kryptischer Befehl. Und auch hier sind sie wieder großartig. Sie treffen zwar nur Kreaturenzauber, doch das ist schon okay, weil es bedeutet, dass man sie einsetzen kann, wenn das Spiel es erfordert, und sie ignorieren, wenn das nicht der Fall ist. Anders als so etwas wie Knochen zu Asche, das einfach eine tote Karte auf der Hand ist, wenn der Gegner nicht so viele Kreaturen ausspielt oder seine Boardpräsenz bereits etabliert hat, gewährt Ojutais Befehl einem die Flexibilität, diesen Modus zu verwenden, wenn er passt, und etwas anderes zu tun, wenn das nicht der Fall ist.

  

Vielleicht werdet ihr gerade von einer Kreatur vermöbelt, die ihr nicht neutralisieren konntet. Wie so viele weiß-blaue Decks versucht ihr verzweifelt, die Lage irgendwie in den Griff zu bekommen. Seid ihr an einer Methode interessiert, wie ihr euer Knochen zu Asche so verwandeln könnt, dass ihr 4 Lebenspunkte erhaltet und eine Karte zieht? Das ist zwar keine Karte, die man für sich allein spielen würde, doch ihr werdet sicher irgendwann froh sein, sie auf der Hand zu haben.

Stellt euch vor, ihr spielt gegen ein Burn-Deck. Normalerweise hätte man nicht so viele Möglichkeiten zur Lebenspunktegewinnung im Main Deck. Jetzt habt ihr zufällig eine Möglichkeit im Main Deck, einen Haufen Lebenspunkte zu erhalten! Das kann schon viel ausmachen.

  

Das hier kommt wahrscheinlich ein wenig unerwartet. Dadurch kann die Karte ein bisschen universeller als nur zur Kontrolle eingesetzt werden.

Eine Kreatur umsonst zurückholen – und das als Spontanzauber, ja?

Interessant.

In einem aggressiven oder einem Midrange-Deck lässt sich das einsetzen, um eine Kreatur zurückzuholen, die früh gestorben ist, während man gleichzeitig noch eine wichtige Kreatur nachziehen oder neutralisieren kann. In Kontrolldecks könnte man damit, sofern das Deck richtig gebaut ist, beispielsweise eine Seelenfeuer-Großmeisterin zurückholen. (Oder vielleicht auch einen Orator des Ojutai, den ihr in Kürze kennenlernen werdet.)

Und das nicht nur in eurem Zug, sondern jederzeit. Eine Bedrohung im Endsegment gefällig? Absolut! Den Kampf mit einer anderen Kreatur aufmischen? Na klar!

Es ist schwer zu sagen, was alles passieren kann, wenn der Gegner weißes und blaues Mana offen hat. Ich schätze, manche Dinge ändern sich wohl wirklich nie.

Jetzt aber genug mit dem Philosophieunterricht. Wir wäre es mit einigen Deckvorschlägen? Schauen wir uns doch mal einige Decks an, in denen der neue Befehl eine Rolle spielen könnte.

Command and Conquer

Der offensichtlichste Ort für Ojutais Befehl ist wohl zweifellos ein Kontrolldeck.

Dinge, die Kontrolldecks mögen:

  • Zauber neutralisieren? ✓
  • Karten ziehen? ✓
  • Jede Menge Flexibilität? ✓✓✓

Es gibt verschiedenste Möglichkeiten, ein Kontrolldeck um Ojutais Befehl herum zu bauen. Hier ist ein Ansatz mit einer geradlinigen weiß-blauen Variante:

Gavin Verheys Ojutai-Kontrolle

Download Arena Decklist

Was die Spielweise dieses Decks angeht, so ähnelt sie stark der der gegenzauberlastigen Decks früherer Zeiten. Es will die Kurve rauf countern und dann etwas ausspielen, das alles loswird, was trotzdem irgendwie durchgekommen ist – Bannendes Licht oder Ende der Feindseligkeiten etwa. Und durch Ojutais Befehl kann man auch ein paar Lebenspunkte wiederherstellen, die man früh verloren hat, den Kartenfluss aufrechterhalten und natürlich Zauber neutralisieren.

Dieses WU-Deck ist aber wirklich nur eine erste Arbeitsgrundlage. WU hat in der Frühphase einer Partie nur begrenzte Interaktionsmöglichkeiten zum Kreaturentöten. Daher funktioniert es auch am besten in einem Midrange- oder einem kontrollastigen Metagame. Man könnte es auch so bauen, dass es ein Jeskai-Deck ist, um ein paar frühe Entfernungszauber zu bekommen. So etwa zum Beispiel:

Gavin Verheys Jeskai-Kontrolle

Download Arena Decklist

Ah, die Macht der drei Farben. Dieses Deck funktioniert viel besser gegen Kreaturendecks. Es ist voller Entfernungszauber und kann dann im Late-Game punkten.

Normalerweise würde ich keinen situativen Gegenzauber wie Ojutais Befehl in einem Deck mit so viel Entfernungszaubern spielen, doch hier kommt die Funktionalität des Befehls erst so richtig zum Tragen. Wenn ich die Kreaturen des Gegners im Griff habe und mir um etwas anderes Sorgen machen muss, kann ich ihn jederzeit austauschen und versuchen, meine nächste Antwort zu finden, oder ihn, falls ich etwas neutralisieren muss, entsprechend einsetzen.

Das waren zwei Ansätze für ein Kontrolldeck, aber es gibt noch massenweise andere. Ein Esper-Deck mit Wendepunkt des Schicksals (gut zusammen mit Ojutai!) und Des Helden Untergang ist zum Beispiel eine davon. Ihr könnt euch sogar an ein fünffarbiges Kontrolldeck mit noch mehr Befehlen heranwagen, wenn ihr wollt!

Befehle in der Schlacht

Wie ich jedoch zuvor erwähnte, passt der Befehl nicht nur in Kontrolldecks. Er lässt sich genauso gut für andere Strategien einsetzen!

Auch wenn man ihn auf den ersten Blick instinktiv für eine Zurückweisung mit mehr Flexibilität hält, ist sein Rückholmodus für Kreaturen ebenfalls ziemlich mächtig! Eine aufblitzende Kreatur, die Karten nachziehen kann und die gleichzeitig die Flexibilität hat, Tempo zu machen, indem sie einen Zauber neutralisiert, ist auch ziemlich beeindruckend.

Nehmen wir zum Beispiel mal das hier:

Gavin Verheys Jeskai-Befehlsdeck

Download Arena Decklist

Stellt euch vor, ihr lasst vier Mana offen. Ihr könntet Das Feuer anfachen haben. Ihr könntet einfach einen Blitzeinschlag haben. Dann bringt euer Gegner ein Belagerungsnashorn, um darum herum zu spielen ...

Und bäm! Ihr habt Ojutais Befehl.

Oder wie wäre es, wenn ihr einfach das Mana aufstockt, was einem Burn-Zauber entspricht? Euer Gegner findet, es ist Zeit, das Board leer zu fegen und wirkt einen Wendepunkt des Schicksals ... nur damit ihr am Ende des Zuges den Befehl ausspielt und einen Sucher oder eine Großmeisterin zurückholt, die sofort Schaden mitbringen!

Befolgt meine Befehle

Und das ist noch längst nicht alles, was ihr mit Ojutais Befehl anstellen könnt! Für die Johnny-Spieler da draußen ist es an der Zeit, Weiser der Zeit klarzumachen und ein Bant-Deck zu bauen, das in eine Endlosschleife übergeht, wenn man den Befehl einsetzt, ihn zurückzuholen, falls er stirbt. Und in Modern kommen einige der mächtigsten Kreaturen im Spiel – Tarmogoyf, Dunkler Mitwisser und Schnellzauberer, um nur ein paar zu nennen – dank des Befehls immer wieder zurück. Ja, ganz recht, stellt euch nur mal vor, einen Schnellzauberer durch den Befehl zurückzuholen!

Die Befehle werden im Standard mit Sicherheit für einige Veränderungen sorgen – und wir haben hier erst nur einen von ihnen besprochen. Dromoka, Silumgar, Kolaghan und Atarka haben auch noch welche für euch. Haltet die Augen nach weiteren Previews offen, um zu sehen, was sie so draufhaben ...

Schauen wir uns in der Zwischenzeit mal an, was man bauen kann, wenn auch noch Drachen dazukommen! Welche coolen neuen Ideen habt ihr? Eure Mission ist es, da raus zu gehen und euer bestes Deck zu bauen!

Format: Drachen von Tarkir Standard

Einschränkungen: Keine!

Deadline: Dienstag, 10. März, 02:00.

Schickt eure Decklisten (nur auf Englisch) per E-Mail an reconstructeddecks@gmail.com .

Decklisten sollten mit der Überschrift DEINNAME – DECKLISTE eingereicht werden. Darunter schreibt ihr bitte immer eine Karte pro Zeile mit der jeweiligen Anzahl an Exemplaren dieser Karte davor. Zum Beispiel:

12 Gebirge

4 Flammenschlürfender Satyr

3 Eifrige Einäscherin

4 Blitzschlag

… und so weiter. Bitte verwendet nur ein Leerzeichen, um die Anzahl der Karten vom Namen zu trennen. Schreibt also zum Beispiel bitte nicht „4x [autocard]Blitzschlag[autocard}“. Ordentlich formatierte Decklisten haben eine größere Chance, gelesen zu werden und es in die Kolumne zu schaffen. Unordentliche Listen werden hingegen eher ignoriert. (Wenn ich eure Deckliste nicht lesen kann, kann ich auch nicht über sie sprechen!)

Beachtet bitte, dass ich euch eine Frist bis Dienstag gesetzt habe. Also lasst euch ruhig ein paar Tage Zeit und schaut euch an, welche Karten noch vorgestellt werden, bevor ihr eure Decklisten zusammenstellt. Es gibt mehr als nur eine Handvoll echte Kracher in diesem Set. Schaut also unbedingt weiter hier vorbei!

Ich hoffe, euch hat dieser Ausblick auf Ojutais Befehl gefallen. Falls ihr irgendwelche Anmerkungen oder Feedback habt, dann schickt mir doch einen Tweet oder stellt mir eure Frage via Tumblr.

Ich komme nächste Woche wieder, wenn ich über eine meiner Lieblingskarten im Set spreche – und eine, die im Standard in Runde Vier mit einigen Karten, mit denen ihr niemals gerechnet hättet, töten kann. Das solltet ihr nicht verpassen!

Viel Spaß beim Erkunden von Drachen von Tarkir. Wir sehen uns nächste Woche!

Gavin

@GavinVerhey

GavInsight

Ojutais Befehl | Bild von Willian Murai

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