Das Blutbad in der Zuflucht

Veröffentlicht in Magic Story on 19. August 2015

Von James Wyatt

James Wyatt joined Magic’s creative team in 2014 after more than 14 years working on Dungeons & Dragons. He has written five novels and dozens of D&D sourcebooks.

Was bisher geschah: Nissa Revane: Für Zendikar

Seetor ist gefallen und ebenso Opfer der Eldrazi geworden wie schon zuvor Sejiri und Bala Ged. Als die Stadt sich bereits am Rande der Vernichtung befand, machte sich der Planeswalker Gideon Jura auf, um Hilfe zu suchen: eine Gelehrte, die den fliehenden Weisen von Seetor womöglich helfen konnte, das Rätsel der Leylinien zu lösen und das Blatt wieder zugunsten Zendikars zu wenden. Er ging nach Ravnica und überredete Jace Beleren, mit ihm zurückzukehren.

Jace jedoch brauchte eine Weile, um sich aus seinen Pflichten als Gildenbund herauszuwinden – Zeit, die die Flüchtlinge aus Seetor nicht hatten.


Sie traten in das Gemetzel.

Gideons Eingeweide zogen sich zusammen, als er sich der Ausmaße dieses Massakers bewusst wurde. Voriks violettes Banner flatterte im Wind, der durch die Schlucht heulte und fahlen Staub und schwarze Asche vom verbrannten Boden aufwirbelte. Noch immer stieg hier und da Rauch aus schwelenden Bränden auf, wo sich Lagerfeuer inmitten des Chaos ungebändigt ausgebreitet hatten, um sämtliche Zufluchten, die die Verteidiger errichtet hatten, zu verzehren. Die Verderbnis der Eldrazi bedeckte den Boden, ein kompliziertes Geflecht aus dünnen, weißen Fäden.

Und die Leichen – überall waren Leichen.

Manche sahen wie die Opfer eines jeden anderen Krieges aus. Blut durchtränkte ihnen die Brust und rann ihnen das Gesicht herab, Gliedmaßen waren abgerissen und Gedärm quoll aus klaffenden Wunden. Doch mehr – so viele mehr – waren teils zerfallen und hinterließen nur Staub, wo einst Arme und Beine gewesen waren. Der Geruch nach Blut und Gekröse vermischte sich mit dem Aasgestank der Eldrazi und ließ Gideon vor Übelkeit würgen.

Während des finalen Angriffs auf Seetor hatte Hauptmann Vorik hier ein Lager errichten lassen, eine Zuflucht für die Menschen, die vor den herannahenden Eldrazi flohen. Soweit Gideon wusste, war es dort sicher gewesen – oder zumindest so sicher wie an jedem anderen Ort auf Zendikar. Es hatte sich in eine enge Schlucht geschmiegt, deren Eingang fast vollständig von einem riesigen, herabgefallenen Polyeder verborgen war. Wenigstens hatte der Polyeder dazu gedient, die Annäherung an das Lager zu erschweren, doch Vorik schien stark auf die magischen Fähigkeiten des Polyeders gebaut zu haben, was die Abwehr der Eldrazi anbelangte.

Doch Voriks Lager war keine sichere Zuflucht mehr. Gideons Aufgabe hatte länger gedauert, als er beabsichtigt hatte. Jace hatte noch Arbeit auf Ravnica gehabt, und Gideon hatte eines Heilers bedurft. Und dann waren sie noch für einen fruchtlosen Versuch, Chandra Nalaar für ihre Sache zu gewinnen, nach Regatha gereist. Und während all dieser Verzögerungen hatten die Eldrazi Vorik und seine Verteidiger übermannt.

Bild von Aleksi Briclot

„Gideon!“

Instinktiv wirbelte er herum und sah Jace, der sich abwehrend duckte, als ein Schwarm Eldrazi sich schmatzend aus den Trümmern einer nahen Mauer hervorwand.

Gideon sprang zwischen die Eldrazi und Jace. Sein Sural wirbelte um ihn herum, schleuderte die Eldrazi ineinander und zerschmetterte die knöchernen, konturlosen Platten, die ihnen als Köpfe dienten. Dann herrschte wieder Stille im Lager.

Gideon griff sich ein kurzes Schwert mit geschwungener Klinge, das halb unter einen Haufen weißen Staubs vergraben lag. „Nimm das“, sagte er und hielt es Jace hin.

Einen Augenblick lang sah Jace so aus, als böte Gideon ihm eine Schlange an, doch dann griff er nach dem Schwert und schwang es einige Male durch die Luft.

„Das ist nicht unbedingt meine Stärke“, sagte er.

„Tu dein Möglichstes“, sagte Gideon.

„Also wo ist diese Gelehrte, mit der ich sprechen soll?“

Gideon blickte auf den viel kleineren Mann herunter. „Das ist alles, woran du denken kannst? Hier? Jetzt?“

Jace zuckte mit den Schultern, doch etwas in seinem Blick verriet Gideon, dass der Gedankenmagier nur sein eigenes Unbehagen zu verbergen suchte.

Gideon wandte sich ab. „Wir müssen gehen“, sagte er. Er blickte sich um und musterte die Umgebung. „Die Schlucht hinauf. Wenn irgendjemand dies hier überlebt hat, dann ist er dort oben.“ Als er die Worte aussprach, spürte er ihr Gewicht. Was, wenn es keine Überlebenden gab?

Wäre er hier gewesen, wäre das Lager nicht gefallen.

„Bist du dir da sicher?“

„Vertrau mir“, sagte Gideon.

Zu seiner Erleichterung nickte Jace und kam näher, bereit, ihm zu folgen.

Hinter dem Lager verengte sich die Schlucht und stieg dann steil an. Gruppen kleinerer Eldrazi durchstreiften den Engpass und hinterließen ein sich ausbreitendes Muster ihres fahlen Geflechts. Gideon vermutete, dass sie fraßen, obgleich er sich nicht vorstellen konnte, was sie an den blanken Felsen wohl zu sättigen vermochte. Sein erster Instinkt war es, alle Eldrazi zu töten, die er finden konnte, doch er musste auch an Jace denken. Noch dazu gab es bei der Suche nach Überlebenden aus Voriks Lager keine Zeit zu verlieren. Daher wählte er einen Pfad über den felsigen Untergrund, der ihn von den Eldrazi fernhielt.

Nur gelegentlich löste sich ein einzelner Eldrazi aus der Gruppe seiner Gefährten, um ihnen nachzusetzen. Gideon entledigte sich dieser Ausreißer rasch, und nach nicht allzu langer Zeit erklomm er einen Felsvorsprung und sein Herz wurde etwas leichter.

Ein Wall versperrte den Durchgang vor ihm, eine windschiefe, hölzerne Barriere, die aussah, als wäre sie aus einem Verschlag herausgerissen und vor der Engstelle platziert worden. Die Speere, die über sie hinwegragten, belegten, dass zumindest einige Zendikari das Blutbad im Lager überlebt hatten.

Doch zwischen Gideon und diesen Überlebenden drängten sich Hunderte von Eldrazi vor dem Wall und griffen mit langen Tentakeln und scharfen Klauen hinüber. Die Speere stießen fieberhaft nach jedem Eldrazi, der in ihre Reichweite kam, doch es war klar, dass die Überlebenden weit unterlegen waren.

Gideon brüllte „Zendikar!“ und stürmte vor. Sein Sural wirbelte vor ihm und schlug eine Bresche durch die Eldrazimassen, während er auf die hastig errichtete Palisade zurannte.

Eine einzelne Stimme hinter der Barrikade nahm seinen Ruf auf, gefolgt von einem heiseren Chor, als die Speere mit neuem Eifer zustießen.

„Gideon!“, rief jemand. Sein erster Gedanke war, einen Blick über die Schulter zu werfen, hatte er doch in seiner Hast, die Überlebenden zu erreichen, Jace völlig vergessen. Doch Jace war unmittelbar hinter ihm. Der Ruf kam von hinter der Palisade und wurde erneut von der Gruppe aufgenommen, lauter gar als der erste.

Er erreichte den Wall und schwang sein Sural vor und zurück, während die Eldrazi ihren Angriff unermüdlich fortsetzten.

Bild von Dan Scott

„Was nun?“, sagte Jace.

Gideons Sural beschrieb einen weiten Bogen, um ihnen etwas Platz zu verschaffen. Dann machte Gideon die Räuberleiter für Jace. „Rauf mit dir.“

„Also wirklich.“

Jace hatte die Gelegenheit verpasst. Schon drangen die Eldrazi wieder auf sie ein. Ein Ansturm zu seiner Linken fesselte Gideons Aufmerksamkeit einen Augenblick zu lange, und als er nach rechts herumwirbelte, sah er, wie eine hastig herbeikriechende Ausgeburt Jace attackierte. Gideon war zu langsam. Jace riss die Arme hoch, um sein Gesicht zu schützen, und eine unsichtbare Kraft stieß die Kreatur zurück – einen Wimpernschlag, bevor sie ihn mit einem scharfen Glied aufgespießt hätte. Es war kein mächtiger Hieb, doch er reichte aus, dass Gideon Zeit hatte, sein Sural um den Hals des Eldrazi zu schlingen.

Dann geriet Jace ins Taumeln und gab einen kurzen Schrei von sich, als sich ein kränklich blauer Tentakel um sein Bein wand. Gideon schleuderte den ersten Eldrazi in die Luft und ließ ihn auf den niederfahren, dem der Tentakel gehörte.

„Geht es dir gut?“, fragte er Jace.

Jace nickte. Seine Augen flackerten voll blauem Licht, als eine weitere Ausgeburt davonhuschte, zurückgeschlagen von etwas, was nur ein telekinetischer Schlag gewesen sein konnte.

Erneut schwang Gideon sein Sural vor und zurück, um eine Bresche zu schlagen. Eldrazikadaver türmten sich auf und verlangsamten den Vormarsch des restlichen Schwarms. Er verschränkte erneut die Finger ineinander und dieses Mal setzte Jace sofort den Fuß auf die Sprosse der Räuberleiter. Gideon hob ihn in die Höhe, und eine Hand von der anderen Seite des Walls half ihm hinüber.

Mit dem Rücken zur Wand stellte er sich dem verbleibenden Schwarm: sich windende Ausgeburten und gesichtslose Drohnen, tierhafte Auswüchse des fremdartigen Willens jenes Titanen, der ihr Ursprung war, und Geschöpfe von Ulamogs unstillbarem Hunger. Diese Kreaturen wussten nicht, wen sie vor sich hatten. Es scherte sie nicht, dass er Gideon Jura war, der Retter von Fort Keff, der große Jäger von Ondu, der Auserwählte von Kabira. Für sie war er nur ein weiterer Brocken Fleisch, ein Ding mit Leben darin, das man ihm aussagen konnte.

Die Menschen hinter der Barrikade jedoch wussten es. Für sie bedeutete er Hoffnung, ihre eine Chance, diese finstere Bedrohung zu überstehen, ihre Erlösung und ihre Rettung. Das war er für unzählige Kämpfer auf ganz Zendikar gewesen, und nun musste er es wieder sein.

„Ich hoffe nur, es ist noch nicht zu spät“, sagte er zu sich selbst.

Bild von Eric Deschamps

Er hielt unbeirrbar stand und kämpfte. Sein Sural schwang vor und zurück, während seine Gedanken schon darum kreisten, mit den Überlebenden zu sprechen und Jace sicher zu Jori En zu bringen.

„Gideon!“, erschallte ein weiterer Chor hinter der Barrikade.

Es war an der Zeit. Eine größere Ausgeburt mit schweren Knochenplatten auf dem Kopf stürmte auf ihn zu. Er duckte sich, wartete auf den richtigen Augenblick und sprang. Ein Fuß traf hart auf dem Kopf des Eldrazi auf, dann stieß Gideon sich daran ab, machte einen Überschlag nach hinten und schwang sich über den Wall.

Seine Füße wirbelten feine Staubwolken auf, als er landete und die Überlebenden aus Voriks Lager erblickte.

Acht ausgezehrte Kämpfer saßen mit dem Rücken zum Wall und schienen die Atempause, die Gideon ihnen beschert hatte, sichtlich zu genießen. Ein Kratzen und Scharren an der Palisade verkündete jedoch deren Ende, und so rafften sie sich auf und stützten sich auf ihre Speere.

Gideons Sural schlug einen Eldrazi vom Wall.

„Bitte sagt mir, dass Ihr nicht die einzigen Überlebenden seid“, sagte er.

Eine der Kämpferinnen, eine Kor, nickte in Richtung des höher gelegenen Endes der Schlucht. „Hauptmann Vorik führt die übrigen an“, sagte sie. „Doch um die meisten von ihnen steht es schlechter als um uns.“

Angesichts der Unmengen an Verbänden und Schienen, die diese acht hier zierten, war dies mehr als vielsagend. Gideon runzelte die Stirn.

„Wie viele?“, fragte er.

Die Frau schüttelte den Kopf. „Ein paar Dutzend.“

„Ich hätte hier sein sollen“, murmelte Gideon.

Die Kor versetzte einem Eldrazi, der über den Wall kommen wollte, einen halbherzigen Stoß mit dem Speer. Ihr Gesichtsausdruck verriet Gideon, dass sie nur so tat, als hätte sie ihn nicht gehört.

„Hat Vorik einen Plan? Wohin führt er sie?“

„Ich glaube, sein erstes Ziel ist es, aus dieser Todesfalle von einer Schlucht herauszukommen. Ich bin nicht sicher, ob er schon weiter gedacht hat.“

Jace schnaubte. „Was für eine Art von Anführer ...“, setzte er an.

„Nein, er hat recht“, sagte Gideon. „Wir alle müssen aus dieser Schlucht heraus. Ich halte diese Palisade, so lange ich kann.“ Sein Sural unterstrich seine Worte, als ihm weitere Eldrazi tot vor die Füße fielen. „Geht zurück zu den anderen und nehmt Jace mit.“

Die Kor nickte und machte sich nicht die Mühe, ihre Erleichterung zu verhehlen. Und wie Gideon nicht entging, verzichtete sie auch auf die Frage, wie lange er den Angriffen wohl standhalten würde. Sein Ruf war ihm weit vorausgeeilt.

„Jace“, sagte er, „sobald du die anderen erreicht hast, suchst du nach einer Meerfrau namens Jori En. Sag ihr, dass ich dich hierhergebracht habe, um bei dem Rätsel zu helfen. Sie wird dir alles sagen, was sie weiß.“

„Sofern sie noch am Leben ist“, sagte Jace.

Grauen zog Gideons Magen zusammen. Er hatte diesen Zweifel nicht in Worte kleiden wollen. Er hatte Jori En nicht unter den Toten drunten im Lager gesehen, doch das hatte nichts zu bedeuten. Sie konnte ebensogut zu Staub zerfallen und vom Wind davongetragen worden sein – oder gar nicht erst aus Seetor entkommen. Vielleicht hatte er Jace ganz umsonst hierhergebracht.

Und das würde seine lange Abwesenheit noch viel unverzeihlicher machen. Er schmeckte Galle. „Geht!“, rief er. Die Kämpfer humpelten von der Barrikade fort, so schnell sie nur konnten.

Bild von Tyler Jacobson

Da er sich nun nicht mehr um Jace sorgen musste, widmete Gideon seine volle Aufmerksamkeit den Eldrazi. Nach dem Abzug der Soldaten huschten sie schneller über die Barrikade, als Gideon sie erschlagen konnte. Er fiel in einen lockeren Rhythmus der Metzelei, ein Tanz, der seinen Muskeln inzwischen nur allzu vertraut geworden war. Sein Sural knallte und pfiff. Goldenes Licht leuchtete entlang der vier peitschenartigen Klingen, als er seine Magie hindurchleitete. Sein Buckler wehrte abwechselnd Schläge ab und wurde selbst zu einer Waffe, die er gegen knöcherne Platten drosch und mit der er Gliedmaßen brach. Wellen von Energie spülten ihm dort, wo die Eldrazi ihn zu berühren drohten, über die Haut hinweg und schützten ihn vor Schaden.

Das Aufrechterhalten seiner Verteidigung war im Grunde die schwerere Aufgabe. Gegen menschliche Gegner war es leicht, jeden Hieb und jeden Schlag vorherzusehen und so sicherzustellen, dass jeder Angriff, der an seinem wirbelnden Sural und seinem Buckler vorbeikam, von seiner durch Magie verstärkten Haut abprallte. Gegen menschliche Gegner war er so gut wie unverwundbar.

Gegen die Eldrazi jedoch war er deutlich anfälliger für Verletzungen. Besonders, wenn er müde war – so wie seit Tagen. Ihre Bewegungen waren schwerer vorherzusagen. Ihre Gliedmaßen waren gegabelt oder eine wimmelnde Masse von Tentakeln. Oft schützte er mehr von seinem Körper, als nötig war, was ihn viel von seiner Kraft kostete, oder er verschätzte sich und steckte einen Treffer ein. Und das war in der letzten Woche zu oft geschehen.

So sehr er es auch hasste, es sich einzugestehen: Hätte Jace ihn nicht in der Nacht zuvor zu diesem Heiler auf Ravnica geschleift, wäre er bei der Verteidigung des Lagers ohnehin keine große Hilfe gewesen. Sehr wahrscheinlich wäre er nicht einmal mehr am Leben.

Als sich die Kadaver der Eldrazi immer höher um ihn herum auftürmten, warf er einen Blick über die Schulter. Jace und die Zendikari waren nicht mehr zu sehen. Und der Vorstoß der Eldrazi vor ihm schien an Heftigkeit zu verlieren.

Und das konnte ebenso gut bedeuten, dass sie einen einfacheren Weg zu den leckeren Häppchen Zendikarifleisch hinter ihm gefunden hatten. Er begann, sich die Schlucht hinauf zurückzuziehen. Sein Sural hackte und peitschte auf die Eldrazi ein, die ihm folgten. Gelegentlich hieb er über sich gegen die Wände der Schlucht und ließ eine Ladung Geröll oder ein paar größere Felsbrocken auf die Eldrazi herunterprasseln.

Und dann erhob sich ein gewaltiger Eldrazi hinter ihm – nicht Ulamog selbst, aber etwas, was dem riesigen Titanen sehr ähnlich war. Es hatte keine Beine, nur ein sich windendes Knäuel aus Tentakeln. Es schleppte sich mithilfe seiner Arme über den Boden, der jedes Mal erzitterte, wenn eine der gewaltigen, klauenbewehrten Hände auf ihn niederfuhr. Knochenplatten bedeckten seine Arme bis hinauf zu den Schultern, sodass sein Kopf nur eine weitere Platte unter vielen war. Gleich hinter dem Kopf reckte sich ein Gewirr von Tentakeln gen Himmel.

Bild von Slawomir Maniak

Eine riesige Klaue fuhr zu Boden und zerquetschte eine sich dort dahinschlängelnde Ausgeburt zu aufspritzendem, pupurfarbenem Brei. Weder den Riesen noch die versammelten Ausgeburten schien es zu kümmern.

Gideon nahm breitbeinig Aufstellung, holte tief Atem und wappnete sich. Wie gewann man einen Krieg, so fragte er sich, wenn der Feind keine Furcht vor dem Tod kannte und nichts zu verlieren hatte? Nie wurden sie müde und sie ernährten sich offenkundig von allem – was also konnte ihren Vormarsch aufhalten? Wie viele hatte er allein heute, hier in dieser Schlucht, schon getötet? Und doch kamen unaufhörlich neue.

Nun hob der Eldrazi den Oberkörper, sodass er Gideon fast um das Doppelte überragte. Aus dem Rumpf wuchs etwas, was beinahe wie ein zweiter Oberkörper aussah, der sich unabhängig vom ersten zu bewegen vermochte, was ihm den Anschein verlieh, als wollte er sich aus seinem größeren Geschwister herauswinden.

Versuchte dieses Ding etwa, Gideon Angst zu machen, indem es mit seiner überlegenen Größe protzte? Oder war dies mehr eine tierhafte Drohgeste wie bei einem Wolf, der den Pelz sträubte, um größer zu wirken? War irgendetwas in diesem von Knochen bedeckten Kopf überhaupt zu irgendeiner Form von berechnender Absicht fähig?

Es spielte keine Rolle. Eine jener gewaltigen Klauen schwang auf Gideon zu. Mit einer winzigen Bewegung seines Arms schlang er sein Sural um die Hand der Kreatur und zog. Der Eldrazi verlor das Gleichgewicht.

Nein. Diese Bewegung hätte einen Menschen aus dem Gleichgewicht gebracht, vielleicht sogar einen Riesen. Doch die Tentakel des Eldrazi huschten kaum merklich ein Stückchen über den Boden und hielten das Ungetüm mühelos aufrecht. Ohne Zögern griff es mit seiner anderen Klaue nach ihm. Er stieß die Klaue mit seinem Buckler zur Seite und peitschte mit dem Sural nach oben, wo es in den Hals der Kreatur fuhr und diesen umwickelte.

Hals? Kopf? Er war sich nicht sicher, ob die Worte auf einen Eldrazi bezogen überhaupt Sinn ergaben. Sog er Luft durch irgendeine Öffnung an seinem Kopf ein, durch seinen Hals hindurch in seine Brust und zu den Lungen? Befand sich sein Gehirn hinter dieser Knochenplatte oben auf seinem Körper? Hatte er überhaupt ein Gehirn oder Lungen oder ein Herz oder irgendwelche anderen verwundbaren, lebenswichtigen Organe? Von all den Eldrazi, die er getötet hatte, hatte er niemals einen aufgeschnitten, um sein Inneres zu studieren, und er hatte viele von ihnen weiterkämpfen sehen, obwohl sie Verwundungen aufwiesen, die er ansonsten für tödlich gehalten hätte.

Und dieser hier schien wenig besorgt darüber zu sein, dass sich Gideons Sural um seinen Hals immer enger zuzog. Die Masse an Tentakeln, die die Kreatur stützte, fuhr nach vorn, umfing ihn wie Dutzende von Würgeschlangen und wollte ihn zerquetschen. Gideons Licht floss schimmernd über seinen gesamten Körper und schützte ihn vor einer Verwundung. Wenn er diesen Schutz länger aufrechterhalten musste, dann würde seine Kraft jedoch rasch aufgezehrt sein – ebenso rasch, wie ihm der Eldrazi die Luft aus dem Leib pressen würde, falls Gideon nun auf seinen Schutz verzichtete.

Tretend und um sich schlagend gelang es ihm, die Umklammerung der Kreatur lange genug zu lockern, dass er an seinem Sural ziehen und den Kopf des Eldrazi zu sich heranreißen konnte. Dann hob er einer Eingebung folgend die Schildhand, um dem zweiten, kleineren Kopf, der dem Monstrum aus der Brust wuchs, einen Schlag zu versetzen.

Es war eine gute Eingebung gewesen. Die Tentakel lockerten ihren Griff. Gideon zog sein Sural aus dem Hals des Eldrazi. Die Kreatur taumelte zurück und setzte ihn am Boden ab. Zwei weitere schnelle Schläge mit den leuchtenden Klingen trennten erst den kleineren, dann den größeren Kopf ab – und der Eldrazi fiel tot zu Boden.

Bild von Jason Felix

Gideon hatte keine Zeit, seinen Sieg zu feiern. Während seines Kampfs gegen den größeren Eldrazi war ein gutes Dutzend anderer an ihm vorbeigehuscht, um Jace und den Kämpfern aus Zendikar zu den restlichen Überlebenden zu folgen. Und mit jedem weiteren Augenblick tauchten neue auf, die über den Kadaver ihres gewaltigen Artgenossen hinwegschwärmten. Er eilte die Schlucht hinauf, während er sein Sural in jede kriechende und krabbelnde Kreatur in seiner Reichweite hieb.

Die felsigen Wände der Schlucht rückten enger und enger zusammen, je höher er kam. Endlich erreichte er, von Schleim und Innereien Dutzender Eldrazi bedeckt, einen schmalen Durchgang, an dem die nackten Steinwände gerade noch so viel Platz ließen, dass er hindurchschlüpfen konnte. Er sprang ein paar natürliche Steinstufen hinauf und hielt einen Augenblick in der engen Öffnung inne, um die Horde an Eldrazi zu mustern, die hinter ihm den Abhang hinaufkroch.

Er rannte ein paar weitere Schritte von der Öffnung fort. Als sich die Schlucht wieder öffnete, hielt er an, drehte sich um, holte mit seinem Sural aus – einmal, zweimal – und hieb auf die Felswände ein, um Geröll von beiden Seiten loszubrechen und auf die Eldrazi unter ihm regnen zu lassen. Er schlug weiter auf den Felsen ein, und die peitschenartigen Klingen seiner Waffe klangen dabei wie die Spitzhacke eines Bergmanns, der sich durchs Gestein vorangrub. Größere Steinbrocken brachen aus den Wänden heraus, begruben weitere Ausgeburten unter sich und hielten den Vormarsch der nachrückenden Kreaturen auf. Noch ein paar sorgfältig platzierte Schläge mehr, und er hatte einen Verteidigungswall geschaffen.

Natürlich würde er nicht lange halten – so wie der, den die Zendikari auf ihrem Rückzug errichtet hatten. Er konnte hören, wie die Eldrazi an den Felsblöcken zerrten und rüttelten und das Geröll ins Rutschen geriet, als sie darauf herumzuklettern begannen. Doch mit etwas Glück würde der Wall ihm genug Zeit verschaffen.

Er spurtete los und sprang von Fels zu Fels, während er sich dem Ausgang der Schlucht näherte. Dann endlich hörte er die Stimme einer Frau Befehle rufen, und einen Augenblick später kamen die überlebenden Zendikari in Sicht.

„So wenige“, sagte er zu sich selbst. Ein paar Dutzend, hatte die Kämpferin gesagt – ein paar wenige, wenn er sich die Gruppe so betrachtete. Vom Ausgang der Schlucht aus bahnten sie sich einen Weg entlang eines hohen Berggrats. Er sah viele Krücken, viele behelfsmäßige Tragen, die von humpelnden Kämpfern geschleppt wurden, und Verbände an fast jedem, der noch lebte.

Jaces blauer Mantel hob sich deutlich vom Grün und Braun der schmucklosen Stoffe und der dreckverkrusteten Kleidung der Zendikari ab. Der Gedankenmagier stand neben einer Menschenfrau in schwerer Rüstung. Gideon eilte auf sie zu.

„Du hast es geschafft“, sagte Jace. War das eine Spur von Bewunderung in seiner Stimme?

Die Frau wandte sich zu ihm um, und sie hob die Augenbrauen, als sie ihn erkannte. „Du musst Gideon sein“, sagte sie.

„Hast du sie gefunden?“, fragte er Jace. „Jori En?“

Jace schüttelte den Kopf. „Ich habe überall herumgefragt.“

„Ist sie . . War sie ...“

„Sie hat das Lager nie erreicht. Jemand vom Meervolk sagte, sie sei nie aus Seetor herausgekommen.“

Gideons Brust krampfte sich zusammen. „Sie starb dort?“ Er hatte sie inmitten des Kampfes zurückgelassen und ihr aufgetragen, sich zum Lager durchzuschlagen, während er Jace holte. Wenn sie tot war, dann war es seine Schuld.

„Wahrscheinlich“, sagte Jace. „Aber vielleicht auch nicht. Der Mann, mit dem ich sprach, sagte, eine kleine Gruppe wäre in eine Sackgasse geraten und von den Räumungsmaßnahmen abgeschnitten worden. Er glaubt, dass Jori En dabei war und dass sie vielleicht anderswo einen Unterschlupf gefunden haben.“

„Dann könnten sie noch am Leben sein. Sie könnten noch immer in Seetor sein.“ Bei dem Gedanken, was er als Nächstes tun musste, ließ er die Schultern hängen.

Die Frau räusperte sich. „Ich bin Tazri“, sagte sie.

Sie war eine dunkelhäutige Frau in einer prächtigen Plattenrüstung, die mit kleinen Schwingen an den Schultern verziert war. Um den Hals trug sie einen leuchtenden Metallreif, der an den Heiligenschein eines Engels gemahnte. Ein schwerer, gezackter Streitkolben hing an ihrem Gürtel.

„Verzeiht“, sagte Gideon. Er streckte die Hand aus. Die Klingen seines Surals schleiften schlaff über den Boden.

Behutsam ergriff sie seine Hand und beäugte seine Waffe. „Ich bin froh, dass Ihr hier seid.“

„Wo ist Hauptmann Vorik?“, fragte Gideon.

„Gleich hier“, erklang eine raue Stimme hinter Tazri.

Tazri drehte sich um, und Gideon erblickte Vorik. Er war ein kräftiger Mann mit tiefdunkler Haut und kurzem, grau gelocktem Haar. Sein nackter Oberkörper war von Verbänden bedeckt. An seiner linken Seite sickerte Blut durch sie hindurch. Er stützte sich auf einen Stab, als er auf sie zuschlurfte.

„Hallo, Gideon“, flüsterte er rau.

„Mein Herr“, sagte Gideon und versuchte, seine Besorgnis nicht in seiner Stimme mitschwingen zu lassen. Vorik war ein stolzer Mann und Gideon wusste, dass er kein Mitleid wollte. „Wir haben nicht viel Zeit. Ich habe den Vormarsch der Eldrazi verzögert, aber ich konnte sie nicht aufhalten.“

„Gideon Jura, der Retter von Fort Keff“, sagte Vorik mit einem leisen Staunen in der Stimme. „Vielleicht nennen wir Euch jetzt lieber den Verteidiger von Voriks Hohlweg.“

Gideon blickte zu Boden. „Ich hätte früher hier sein sollen.“

„Ja“, sagte Vorik flach. „Wir hätten Euch hier brauchen können.“

„Wie ist Euer Plan?“

Vorik stieß einen tiefen Seufzer aus. „Was können wir schon tun, außer weiter fortzulaufen? Etwa drei Meilen diesen Grat entlang liegt ein weiterer herabgestürzter Polyeder vor einem großen Überhang. Dort können wir unser Lager aufschlagen.“

Gideon runzelte die Stirn. „Ein geschützter Eingang ist gut. Aber gibt es keinen Weg hinaus?“

„Wenn wir sie von dort aus nicht aufhalten können, sind wir ohnehin verdammt. Wir schaffen es keinesfalls, vor ihnen davonzulaufen, selbst wenn der große Verteidiger von Voriks Hohlweg uns dieses Mal Gesellschaft leistet.“

Gideon blickte den Hügel hinauf und rieb sich das Kinn. Sie standen auf der Spitze des Bollwerks, einem gewaltigen Gebirgsring, der Tazeem umgab, obwohl er hier in der Nähe von Seetor niedriger war als auf der anderen Seite der Insel. Zu seiner Rechten flachte das Land beständig in Richtung des Halimars ab, jenes großen Binnenmeers, das von Tazeems zahlreichen Flüssen gespeist und von dem gewaltigen Damm im Zaum gehalten wurde, den die Stadt Seetor bildete. Zu seiner Linken führte ein deutlich steilerer Abhang zum Meer hinab. Die Erhebungen des Landes und die knorrigen Bäume des Riesenholz-Waldes versperrten die Sicht auf Seetor.

Ein paar wenige Polyeder, die nur den halben Weg vom schwebenden Polyedernetz hoch über Tazeem in Richtung des Meeres herabgefallen waren, hingen bewegungslos in der Luft. Gideon ließ den Blick zu diesem Netz hinaufschweifen. Seile baumelten von einigen der niedriger am Himmel stehenden Polyeder herab, und hier und dort schufen sie Verbindungen zwischen den schwebenden Objekten.

„Ich habe eine andere Idee“, sagte er.

Vorik sah ihn zweifelnd an. „Kennst du einen besseren Ort?“

„Ich glaube schon. Seht.“ Er deutete auf den nächsten Polyeder. „Dort wartet förmlich eine Treppe auf uns.“

Bild von Winona Nelson

„Habt Ihr den Verstand verloren?“, fragte Tazri. „Wir haben hier zwei Dutzend Leute, die kaum laufen können, und Ihr erwartet von ihnen, an Seilen hochzuklettern und sich auf Polyedern niederzulassen?“

„Ja. Vielen von ihnen wird es leichter fallen als zu laufen. Und mit genug Haken und Seilen können wir den anderen hinaufhelfen.“ Er wandte sich wieder Vorik zu. „Mein Herr, bei der schieren Menge an Eldrazi am Boden glaube ich kaum, dass es einen anderen Ort gibt, der ähnlich guten Schutz bietet.“

„Na schön“, sagte Vorik. „Geht voran.“

Tazri starrte ihren Hauptmann ungläubig an. „Mein Herr?“

„Gideon hat recht, Tazri“, sagte Vorik. „Helft ihm dabei, die Leute darauf vorzubereiten.“

Trotz Tazris Zweifel leisteten sie und Gideon rasch gemeinsame Arbeit. Zunächst sprachen sie mit den Kor unter den Überlebenden, um sich ihre Kunstfertigkeit im Umgang Seilen zunutze zu machen. Während einige Kor Gurtwerk und Schlingen knüpften, mit deren Hilfe die Verwundeten hinaufgezogen werden sollten, kundschafteten andere den Pfad aus und befestigten Seile am Boden, um den Aufstieg zu erleichtern. Dann verteilten sie die mageren Vorräte, die die Überlebenden aus Seetor und dem zerstörten Lager hatten retten können, und gaben denen, die kräftig genug waren, schwerere Lasten zu tragen. Nach nur wenigen Stunden waren sie bereit für den Aufstieg.

Die Kundschafter der Kor führten sie an. Gideon blieb gleich hinter ihnen. Er verwendete sein Sural so oft, wie sie ihre Seile einsetzen, obwohl die peitschenartigen Klingen beileibe nicht so lang waren. Gideon besaß zwar nicht die geschmeidige Anmut der Kor, doch das machte er durch Kraft und Schnelligkeit wieder wett. Jace hingegen war weder ein gewandter Kletterer noch auf irgendeine andere Weise athletisch. Er trottete hinter Gideon her und bot seine magere Unterstützung dabei an, diejenigen zu tragen, die sich nicht selbst bewegen konnten.

Die meisten der Polyeder, die schief und schräg in der Luft hingen, besaßen eine Oberfläche, die eben genug war, um sich darauf fortzubewegen. Am leichtesten kam man kriechend voran – was auch der Grund war, aus dem Gideon gesagt hatte, dass es für die Verwundeten leichter sein würde als zu laufen. Die Überquerung der Seile zwischen den den Polyedern war schon schwieriger – ein Balanceakt, der viel Mut erforderte. Doch dies waren zähe Leute, die an das Leben auf Zendikar mit all seinen Gefahren gewöhnt waren. Sie brachten den Aufstieg ohne Klagen, ohne Fehltritte und ohne weitere Verletzungen hinter sich.

Ein riesiger Polyeder nahe des unteren Endes von Emeria bot eine große, flache Oberfläche, auf der sich zumindest vorübergehend ein neues Lager errichten ließ. Außerdem bot er einen atemberaubenden Blick auf Tazeem mit all seinen rauschenden Flüssen, dichten Wäldern und klaren Seen. Der Halimar glitzerte im Schein der Abendsonne, und Seetor ...

Bild von Slawomir Maniak

Gideon starrte lange und angestrengt in Richtung Seetor. Selbst aus der Ferne konnte er sehen, wie sich die Verderbnis der Eldrazi über die Stadt ausbreitete. Gebäude waren zu Staub zerfallen oder zu einem ineinander verschlungenen, fahlen Geflecht geworden. Der große Damm, der das Wasser des Halimars zurückhielt, zeigte noch keine Spur dieser Verderbnis. Doch wie lange würde er noch halten? Wie lange würde der Leuchtturm noch stehen?

„Also was nun?“, fragte Jace und riss ihn aus seinen Gedanken.

„Jori En könnte noch immer dort sein“, sagte er und nickte zur Stadt hinunter. „Ich muss sie finden.“ Wenn er sie nicht finden konnte, dann war alles umsonst gewesen. Er hatte Seetor verlassen, um Jace zu finden, damit dieser Jori helfen konnte, ein magisches Rätsel zu lösen. Und wegen der Zeit, die er mit Jace verbracht hatte, war er nicht in Voriks Lager gewesen, als die Eldrazi kamen, und all diese Menschen waren umgekommen. Wenn er Jori En nicht finden konnte, dann waren sie umsonst gestorben.

„Das ist unwahrscheinlich“, sagte Jace sanft. „Nach allem, was wir wissen, ist sie tot. Wir sollten einen anderen Weg finden.“

„Das solltest du“, stimmte ihm Gideon zu. „Wir haben Joris Aufzeichnungen nicht, aber vielleicht kannst du anfangen, dir einen Reim auf das zu machen, wovon sie redete. Sie sagte etwas von Leylinien und Polyedern. Hier gibt es jede Menge Polyeder – versuche, so viel über sie zu erfahren, wie du nur kannst. Und ich gehe Jori suchen und bringe sie hierher.“

„Das ist ein Himmelfahrtskommando“, sagte Jace, ganz so, wie Gideon es bereits geahnt hatte.

„Das spielt keine Rolle. Ich muss sie finden. Wenn nicht, wozu war all das hier dann gut? Warum habe ich dich überhaupt hierhergebracht, wenn ich von Anfang an dabei hätte helfen können, das Lager zu verteidigen? Wenn du und Jori En dieses Rätsel nicht lösen könnt, dann war alles umsonst.“

„Es war alles umsonst, wenn du in einer Stadt, in der es nur so von Eldrazi wimmelt, den Tod findest.“

„Jace.“ Gideon legte dem Gedankenmagier die Hand auf die Schulter. „Schau nur, was wir heute hier getan haben. Vor jedem von uns liegen noch größere Taten. Vertrau mir.“

Jace wand sich aus seiner Berührung heraus, trat einen Schritt zurück und erwiderte seinen Blick. Er öffnete den Mund, um zu sprechen, und hielt dann inne.

„Vertrau mir“, sagte Gideon erneut.

„Das tue ich“, sagte Jace mit einem Hauch Erstaunen in seiner Stimme. „Ich halte dein Vorhaben noch immer für töricht, aber ich vertraue dir.“

„Ich danke dir. Ich bin so bald wieder zurück, wie ich nur kann.“

„Das glaube ich gern“, sagte Jace. „Viel Glück.“

„Dir auch.“ Er wandte sich um, ging am Rand des Polyeders entlang und umrundete das Lager in weitem Bogen, bis er das Seil erreichte, das nach unten führte. Glück, Können, die Macht seiner Magie, die Lektionen seiner Ausbildung – all das würde Gideon mit Sicherheit brauchen.

„Ich muss das tun“, sagte er zu sich selbst, als er nach dem Seil griff. „Sie können nicht umsonst gestorben sein."


Planeswalker-Profil: Gideon Jura

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Weltenbeschreibung: Zendikar

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