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Sabotage

Veröffentlicht in Magic Story on 31. Januar 2018

Von R&D Narrative Team

Vor etwa 1300 Jahren

Eine sanfte Brise strich über eine weite Steppe. Herden grasfressender Tiere streiften an den Mauern einer gewaltigen Stadt aus Glas und Stein vorbei, und ein Drache von einer weit entfernten Welt stieß durch das Firmament.

Sein Name war Ugin, und sein Ziel war schon immer einzigartig gewesen und würde dies auch immer bleiben.

Menschenmassen versammelten sich, als er aus dem Himmel herannahte, um dem Drachen zuzujubeln. Die Leute wiesen ihm den Weg zur Mitte der Stadt. Sie lächelten, als sie Ugin sahen, denn der Hohe Schlichter hatte ihnen gesagt, sie könnten dem Geisterdrachen vertrauen. Unter Fanfarenklang wurde Ugin durch die Stadt geführt und fand seinen Verbündeten schließlich an der Spitze jener Treppe, die zu dem führte, was die Einheimischen den Palast der Gerechtigkeit nannten.

Die Sphinx war ein Hieromagier und seit zehntausend Jahren am Leben. Ihre Ziele waren ehrenhaft, selbst wenn es ihre Beweggründe nicht waren.

„Ugin, mein Freund“, sagte Azor, breitete die Schwingen aus und neigte leicht den Kopf. „Willkommen in meiner neuesten Heimat.“

Die Sphinx sträubte die Schwungfedern, und ein sachter magischer Impuls veranlasste die Menge, sich zu zerstreuen.

„Was führt dich auf diese Welt?“, fragte Azor.

Der Geisterdrache erwiderte: „Bei unserem letzten Treffen sprachen wir über unseren gemeinsamen Feind.“

„Was ist mit ihm?“, fragte Azor. Er sah sich sorgenvoll um. „Ist diese Welt in Gefahr?“

Der Zerstörer war unvermittelt auf einer jener Welten aufgetaucht, die Azor unter seine Fittiche genommen hatte, hatte dessen Werk zunichtegemacht und ein neues Imperium für seine eigenen rätselhaften Zwecke errichtet.

Ugin hatte die Sphinx weniger als ein Jahrzehnt später getroffen und ihr den Namen, das Vorgehen und die bösartige Vergangenheit dieses Unholds enthüllt.

„Jede Welt ist in Gefahr, solange unser Feind frei und unversehrt ist. Deshalb bin ich hier. Ich habe einen Plan erdacht, das Multiversum seinem Einfluss zu entziehen, doch ohne dich kann ich ihn nicht umsetzen.“

Die Sphinx entgegnete: „Ich habe auf unzähligen Welten Gesetze eingeführt. Ich habe Ordnung geschaffen, wo es zuvor keine gab. Ich wäre geehrt, meine mächtigen Gaben mit dir zu teilen, mein lieber Freund.“

Ugin war zufrieden. „Gemeinsam werden wir das Multiversum von Nicol Bolas befreien.“

Der Plan, den sie ersannen, erforderte Erfolge an zwei Fronten: Sie brauchten ein Mittel und die Gelegenheit, ihren Feind in ihren Kerker zu locken, und ein Schloss, um ihn darin festzusetzen und unschädlich zu machen. Während sie sich beratschlagten, umriss Azor begeistert die Hieromagie, die nötig war, um einen Gegenstand zu erschaffen, der seine eigene Gesetzesmagie verstärkte und ihm so die Macht verlieh, den goldenen Drachen von jedem Ort im Multiversum aus herbeizurufen. Dies würde das Opfern seines eigenen Funkens nötig machen, doch mit Ugins Hilfe konnte er sich diesen wiederbeschaffen, sobald Nicol Bolas vernichtet war. „Es gibt eine Welt, auf die ich schon lange Ordnung bringen wollte. Sie heißt Ixalan. Dort werde ich die Immerwährende Sonne bauen. Auf dem Kontinent Torrezon.“

Azor würde zwar nicht länger ein Planeswalker sein, doch die Immerwährende Sonne würde seine Hieromagie durch die gewaltige Macht verstärken, die sein von ihm abgespalteter Funken in sich barg. Dies würde es ihm gestatten, Magie zu wirken, von der eine sterbliche Sphinx nicht einmal zu träumen wagte. Ihr Feind würde so in den Kerker gerufen werden, ganz gleich, auf welcher Welt er sich auch gerade befand. Das Artefakt würde gleichzeitig als Schloss dienen und gewährleisten, dass der Feind keine Möglichkeit zur Flucht hatte. Ugin versicherte Azor, dass er dank jahrhundertelangen Planens einen Weg gefunden hatte, Nicol Bolas ein für alle Mal aus sämtlichen Welten zu tilgen. Sie mussten den goldenen Drachen nur fangen. Damit wäre ihre Aufgabe auch schon erfüllt.

„Du wirst ihn zu einem bestimmten Ort locken müssen“, sagte Azor. „Ich muss wissen, wohin ich zielen muss, um ihn in den Kerker zu rufen.“

Ugin hatte natürlich auch daran gedacht, denn er war ebenso listig wie klug. „Ich werde ihn nach Tarkir locken.“


„Erzähl mir mehr über diesen Rechtsprecher“, sprach Nicol Bolas gedehnt, während er wie beiläufig den rechten Arm des unbedeutenden Gehilfen abriss, den er in den Krallen hielt. Ein Elf, der Anführer von dem, was auch immer dieser Ort sein mochte, und der Aufseher über etwas, worauf niemand auch nur einen Pfifferling gab.

Während Nicol Bolas den Mann wiederholt mit dessen abgetrennter Gliedmaße ohrfeigte, sann er darüber nach, dass er sich durch die Torheit der Sterblichen nicht so einfach zu derlei Wildheiten hinreißen lassen sollte – besonders dann nicht, wenn schon das winzigste Quäntchen an Telepathie ausreichte, um sich das gewünschte Wissen zu beschaffen. Dennoch brachten die Ohrfeigen die gewünschte Wirkung und holten den Mann lange genug aus seinem Schockzustand, um ihm eine Antwort zu entlocken. Bolas verschaffte allein schon das Bestrafen von Dummheit bereits ein gewisses Gefühl der Freude.

Während alle anderen Bürokraten – und die restlichen Leute in der Stadt – vernünftigerweise um ihr Leben gerannt waren, war dieser erbärmliche Narr mitten auf dem Platz stehen geblieben. Er hatte begonnen, Verwünschungen auszustoßen. Gegenüber einem Drachenältesten. Er hatte geschworen, dass der Rechtsprecher bald zurückkehren und dem Bösen erneut ein Ende setzen würde. Solch leere Drohungen, dachte Bolas, während der Elf vor sich hin brabbelte, ihm alles sagte, was er wusste, und um sein Leben bettelte.

Die Sphinx. Schon wieder die Sphinx. Dies war die dritte Welt, die Bolas bereiste, deren Bewohner eine Sphinx verehrten, die aus einem fernen Land gekommen war. Er wusste nun, dass das kein Zufall war. Die Geschichten glichen sich zu sehr: Die Sphinx kam stets von einem weit entfernten, unbekannten Ort und erschuf stets ein Rechtssystem für die Einheimischen, ehe sie wieder verschwand und nichts als ermüdende Vorschriften und – im Falle dieser Welt – eine prätentiöse Statue zurückließ. Ein Planeswalker, dachte Bolas. Wahrscheinlich ein Hieromagier – und ein Feind, wie es scheint.

Die Statue, die für sich allein betrachtet bereits recht groß war, war (nach Bolas Geschmack etwas zu auffällig) auf dem höchsten Gebäude der Stadt errichtet worden: einer offiziell wirkenden Marmorhalle, die den Platz überragte. Der Drache hob den blutenden Bürokraten vorsichtig über den Kopf der Statue, ehe er ihn losließ. Er wartete einen Augenblick, um sich zu vergewissern, dass der Elf in einen festen Stand fand. „Sei unbesorgt, Sterblicher“, schnaubte Bolas, während er sich zum Gehen wandte. „Nach allem, was du mir berichtet hast, bin ich mir sicher, dass dein Rechtsprecher zurückkehren und dir zu Hilfe eilen wird, bevor du verblutest.“

„Azor“, hatte der Schwächling gesagt. Die Sphinx hieß Azor. Entschlossen, so viel wie möglich über diesen Azor herauszufinden, lächelte Bolas den Mann, der da nun auf der Statue schwankte, verächtlich an. Dann breitete er die Schwingen aus und schwang sich zum Himmel auf.

Über viele Jahre und Welten hinweg suchte Nicol Bolas nach Hinweisen auf das Ziel der Sphinx. Auf einer von Krieg zerrütteten Welt traf Bolas schließlich auf eine Gesetzesmagierin, die verloren auf eine zerbrochene Statue starrte: ein weiteres geschmackloses Mahnmal an den sagenumwobenen Rechtsprecher.

Der Hohe Schlichter hat dafür gesorgt, dass unsere Welt sich gegen sich selbst richtet, dachte die Gesetzesmagierin, und eine Flut von Bildern strömte aus ihrem Verstand, als Nicol Bolas sich auf sie einstimmte und die Fäden ihrer Existenz aufzulösen begann. Zu glauben, dass ich ihn als Erlöser verehrt habe, wo seine Lösungen doch nur eine Welt zerschlugen, die zuvor noch so heil gewesen war. Zu glauben, ich wäre dem Göttlichen so nahe gekommen wie noch kein Sterblicher zuvor, als ich mich an jenem Tag im Palast der Gerechtigkeit versteckte und belauschte, wie er und der Geisterdrache das Ende des wahren Bösen planten ...

Nicol Bolas labte sich an dem Geschmack der vollkommenen Verzweiflung der Gesetzesmagierin, als sie starb. Das wahre Böse, dachte er, wie schmeichelhaft...


Azor stand am Ufer Torrezons in einem Mahlstrom seiner eigenen Magie.

Die Sphinx vollbrachte einen Akt der Hieromagie, wie ihn noch nie zuvor jemand versucht hatte und wie ihn nie wieder jemand in Angriff nehmen würde: Sie trennte sich von ihrem Funken, um ein Artefakt zu erschaffen, das sie die Immerwährende Sonne nannte. Die Sphinx stand auf ihrem Meisterwerk – erschöpft, aber zugleich voller Stolz.

Sie sprach über Welten hinweg, denn dies war eine Zeit, als Planeswalker noch die Macht von Göttern besaßen. „Ugin, meine Kraft hat sich mithilfe meiner Schöpfung verdreifacht. Ich bin bereit, unseren Gefangenen festzusetzen.“

Ugin hörte Azor und antwortete auf die gleiche Weise. Seine Stimme reiste durch die Blinden Ewigkeiten und hallte klar in Azors Verstand wider. „Bald wird unser Lebenswerk vollendet sein, mein Freund“, sagte Ugin und ließ jene besondere Form der Verbundenheit in dem Wort „Freund“ mitschwingen, der Azor nie widerstehen konnte. „Ich muss nur noch die Falle auslegen und warten, dass der Zerstörer eintrifft.“

Ugin schwebte über den zerklüfteten Bergen Tarkirs, derart in seine Vorbereitungen versunken, dass er sein tiefes Entsetzen nicht verhehlen konnte, als seine Nemesis plötzlich vor ihm erschien.

Bolas’ Flügel spannten sich quer über Ugins Weg, einem wehenden Mantel gleich, und seine Schuppen glänzten im Licht des Sturms um sie herum.

„Deine dumme Katze ist zu versessen auf Statuen von sich selbst“, sinnierte Bolas. „Ich hätte eure Gespräche nicht einmal belauschen können, hätte sie nicht so viele kleine Hinweise hier und da hinterlassen.“

Ugin bebte vor Zorn. „Die Immerwährende Sonne wird dich in deinem Kerker festsetzen.“

Nicol Bolas lachte und warf sich auf seinen Gegner, während sein Gelächter zu einem ohrenbetäubenden Gebrüll anschwoll.

Sie rangen und wüteten durch die Luft, Titanen im Sturmwind.

Doch Bolas hob eine Klaue, und Hunderte von Drachenaugen blickten Ugin wie eines an. Sie neigten die großen Leiber und stießen zum Angriff herab. Der Geisterdrache wollte entkommen, wurde jedoch in einem Wirbel aus Feuer und Klauen gefangen.

Er fiel zu Boden. Er wäre wahrscheinlich gestorben, doch ein Mann von außerhalb der Zeit mischte sich ein. Jener Mann hüllte Ugins Leib in eine steinerne Schutzhülle und verschwand.

Und Nicol Bolas verließ diese Welt, um nie wieder zurückzukehren, denn er hatte gesiegt.

Azor wartete ein Jahr lang.

Er blieb wachsam. Er stand auf der Immerwährenden Sonne und blickte zum Himmel, auf ein Zeichen seines Freundes wartend.

Doch das Zeichen kam nie, und als Azor begriff, dass Ugin etwas zugestoßen sein musste, gab es keinen Drachen mehr, den er rufen konnte. Keinen Feind, der ihm in die Falle gehen würde. Kein großes Opfer, das er im Kampf gegen das Böse bringen konnte.

Azor hatte keinen Funken mehr und sein Gefängnis keinen Gefangenen.

Er wartete Jahrzehnte, bevor er endlich erkannte, dass es hier für ihn nichts mehr zu tun gab als das, was er am besten konnte: ein weiteres Rechtssystem erschaffen, hier auf Torrezon.

Er schenkte die Immerwährende Sonne einem Kloster, aus dem später die Legion des Zwielichts hervorgehen sollte, doch dessen Bewohner waren des Artefakts nicht würdig. Also holte Azor die Immerwährende Sonne zurück, bevor Torrezons angehende Eroberer sie für sich nutzen konnten.

Er schenkte sie dem Imperium der Sonne, und eine Zeit lang erblühte jenes Reich. Doch seine Anführer verfielen dem Verfolgungswahn und begannen, ihre Nachbarn anzugreifen. Also holte Azor sein Meisterwerk erneut zurück und schottete sich dieses Mal innerhalb der Mauern Orazcas ab. Er beauftragte die Flussherolde – das einzig weise Volk auf Ixalan – damit, sicherzustellen, dass niemand ihn finden oder jene Macht nutzen konnte, die seinem Gefängnis innewohnte.

Zahllose Jahre brütete Azor auf seinem hoch aufragenden Thron in einer leeren Stadt und verfluchte den Namen des Freundes, der ihn im Stich gelassen hatte.

Und während all jener Zeit schlief Ugin ohne Azors Wissen.

VRASKA

Jace erzählte Vraska alles, was er über Nicol Bolas wusste.

Von dem gescheiterten Versuch, die Weltenbrücke einzunehmen, von der Armee Verewigter auf Amonkhet.

Vraska wiederum erzählte alles, was sie über Nicol Bolas wusste. Von der Meditationsebene und vom Schlüsselzauber, durch den sie Zugang auf diese Welt erhalten hatte, und davon, wie groß ihre Furcht war, dass Bolas sie töten würde, falls sie versagte. Je mehr Vraska Jace erzählte, desto mehr begannen beide, die Gewaltigkeit von Nicol Bolas’ Plan zu begreifen. Vraska fühlte sich gleichermaßen schuldig und entsetzt, als würde das Gewicht sämtlicher Welten auf ihren Schultern lasten.

Sie fasste sich mit beiden Händen an den Kopf. „Ich soll einen von Bolas’ Verbündeten benachrichtigen, damit er kommt und die Immerwährende Sonne an sich nimmt –“

„– mithilfe der Weltenbrücke“, vollendete Jace mit einem grimmigen Kopfschütteln den Gedanken. „Es ist Tezzeret. Er ist es, den du rufen sollst.“

Vraska schüttelte rasch den Kopf. Sie wusste nicht, wer das war. Jace verzog das Gesicht. „Der Mann mit dem ... ... Arm. Aus der Zeit, als ich noch jünger war.“

Vraska fluchte voller Abscheu.

Jace rieb sich das Gesicht. „Bolas schickte Tezzeret nach Kaladesh, um ein Portal zu holen, das Gegenstände transportieren kann. Er hat dich ausgesandt, um etwas zu holen, was Planeswalker auf einer Welt festsetzen kann –“

„Und er ging nach Amonkhet, um seine Leichenfabrik hochzujagen. Was hat er nur mit Zombies vor, die auf einer toten Welt festsitzen?“

Jaces Gesicht wurde bleich. Vraska konnte das Weiße in seinen Augen sehen. Er schloss sie und stöhnte. „Es sind nicht mehr nur Leichen. Sie wurden mit Lazotep behandelt, diesem Mineral, das die organische Materie der Verewigten veränderte –“

„– um sie zu Gegenständen zu machen, die interplanare Reisen überstehen.“ Vraska schüttelte den Kopf. „Er hat eine Armee erschaffen, die er über das Multiversum transportieren kann. Und die Immerwährende Sonne wird dafür sorgen, dass niemand mehr die Welt verlassen kann, auf der sie ankommt. Jace, gibt es irgendetwas, was auf sein endgültiges Ziel hindeutet?“

Jace zögerte. „Ich muss darüber nachdenken. Einen Augenblick.“

Er schloss die Augen, und Vraska wartete.

Der Raum war stickig geworden, und kleine Staubkörnchen tanzten in den Sonnenstrahlen, die durch die Öffnung nach draußen hereinfielen. Vraska spürte den sorgenvollen Schlag ihres Herzens in der Brust, doch ganze zwei Minuten lang blieb Jace völlig reglos.

Schließlich öffnete er die Augen und blickte sie mit der traurigsten Miene an, die sie je bei irgendjemandem gesehen hatte.

„Zeig es mir“, verlangte sie.

Und das tat Jace.

Die Luft kräuselte sich mit den nun vertrauten Vorzeichen einer Illusion, und Vraska schaute durch Jaces Augen.

Goldene Schuppen. Sandstein. Hitze. Rauer Sand auf den Lippen und in den Augen und in der Kehle. Gebrochene, dem Untergang geweihte Freunde. Er versuchte, in Nicol Bolas’ Geist einzudringen. Zu spüren, was der Drache plante, ihn davon abzuhalten, Schaden anzurichten. und einen kurzen Augenblick lang hatte er es geschafft – er hatte das Ziel gesehen, und die Antwort hatte seinen Herzschlag aussetzen lassen.

Ravnica stand in großen Lettern über dem großen Ehrgeiz in Nicol Bolas’ Verstand geschrieben.

Es war keine heimtückisch ausgelegte Schlinge, wie es Fallen des Geistes oft waren, sondern etwas, was in die Absichten des Drachen eingewoben war, breit und strahlend in sein Unterbewusstsein geprägt.

Nicol Bolas bemerkte Jaces Anwesenheit und vergalt sie ihm dadurch, dass er dem Magier seine mentale Faust in den Verstand drosch. Doch während er dies tat und während der Drache sein Innerstes durchkämmte, spürte Vraska, wie nun tatsächlich irgendeine Falle zuschnappte, und obgleich es Bolas gelang, Jaces Erinnerungen zu zerschmettern, schleuderte ein Teil von Jaces Verstand ihn von Amonkhet nach Ixalan.

Ravnica war Nicol Bolas’ Ziel.

Alles führte dorthin.

Vraska öffnete die Augen, und Jaces Projektion verschwand.

Sie bemerkte, dass ihr die Hände zitterten.

„Er will eine Armee entfesseln. In unserer Heimat. Mit meiner Hilfe.

Beide waren sie sehr still. Das war zu viel. Zu groß, zu überwältigend. Der Gegenstand, dessentwegen Vraska seit Monaten unterwegs war, hing über ihnen.

Vraska stand forsch auf. Sie begann, umherzugehen und immer und immer wieder Flüche auszustoßen, bis sie einen Stein aufhob und ihn gegen die Immerwährende Sonne über ihr warf.

„Wenn ich die Sonne nicht abliefere, bin ich hier gefangen, und wenn ich es tue, wird Nicol Bolas Ravnica vernichten. Ravnica ist unsere Heimat!“

Jace schwieg.

„Und du!“, sagte Vraska. „Er wird in meinen Verstand schauen und wissen, dass ich dich getroffen habe! Dass ich dich kenne, dass all das geschehen ist! Er wird uns beide töten!“

Sie setzte sich und versuchte, ihre Panik wegzuatmen. Ganz gleich, was auch geschehen würde, der Rest der Golgari würde leiden. Ganz gleich, was auch geschehen würde, sie würde sterben.

„Das alles war eine solche Farce“, sagte Jace schwach. „Kaladesh, Amonkhet, das hier. Die Wächter haben gar nichts bewacht. Nicht wirklich. Ich habe sie alle enttäuscht.“

Vraska stützte den Kopf in die Hände. Sie brabbelte vor sich hin und versuchte, den Plan durch lautes Aussprechen zu begreifen. „Nicol Bolas hat vor, Planeswalker festzusetzen und ... den Rest von Ravnica auszulöschen? Die Feinde, die ihm im Weg sind, irgendwo anders einzusperren und zu vernichten? Beides kommt mir sinnlos vor: Wenn er Planeswalker töten wollte, könnte er es doch einfach tun. Ich verstehe seine Absichten nicht.“

Jeder Entscheidung, die Vraska je getroffen hatte, lag ihr Überlebenswille zugrunde. Doch nun sah sie gerade keinen Ausweg. Sie würde entweder auf Ixalan gefangen sein, während Ravnica brannte, oder zurückkehren und sofort von dem Drachen getötet werden, sobald dieser erfuhr, dass sie mit dem Feind zusammengearbeitet hatte. Ganz gleich, wie sie sich auch entschied: Solange Nicol Bolas in der Lage war, in ihren Verstand zu blicken, würde ihre Heimat zerstört werden.

Aber was, wenn er nichts davon sehen konnte?

Ihr kam eine entsetzliche Idee. Eine entsetzliche, brillante Idee.

Vraska schloss die Augen und atmete lange und zitternd aus. Es war die beängstigendste Idee, die sie je in ihrem Leben gehabt hatte. Doch wenn Nicol Bolas in sie schaute und nichts sehen konnte, ihr weiter vertraute und ihr die Macht gewährte, die er ihr als Gegenleistung für ihre Dienste versprochen hatte ... dann konnte sie ihm umso mehr schaden. Sie konnten ihm umso mehr schaden.

„Jace.“

Jace sah sie verstört an.

„Ich habe eine Idee, aber sie wird dir nicht gefallen.“

Jace schüttelte den Kopf. Hilflosigkeit prägte seine Züge. „Ich weiß nicht, was ich tun kann, um zu helfen.“

Vraska fasste so viel Mut, wie sie aufzubringen vermochte, um ihre Bitte über die Lippen zu bringen. Was sie sagen wollte, war furchteinflößend, beunruhigend drastisch und absolut notwendig für ihr gemeinsames Überleben.

„Ich möchte, dass du für eine Weile meine Erinnerungen an dich auslöschst.“

Jace zuckte angewidert zurück. „Das werde ich nicht tun.“

„Jace, es ist nur für eine Weile, und es ist die einzige Möglichkeit, wie wir nicht beide getötet werden.“ Vraska schluckte. Sie wusste, wie grässlich das klang, doch je weiter die Idee in ihr reifte, desto sicherer war sie sich, dass es die richtige Entscheidung war. Die einzige Möglichkeit.

Jace schüttelte ungläubig den Kopf. „Ich werde dir nicht auf diese Weise wehtun –“

„Du würdest mir gar nicht wehtun. Du würdest uns beschützen“, sagte sie nachdrücklich. „Du nimmst die Erinnerungen an dich aus meinem Verstand und bewahrst sie für mich auf. Du verwahrst sie sicher, verbirgst sie vor dem Blick des Drachen, sodass er, wenn er mich sieht, denkt, der Auftrag wäre ohne Zwischenfälle ausgeführt worden. Und dann, auf Ravnica, gibst du sie mir im richtigen Augenblick zurück.“

Jace wurde still. Vraska konnte beinahe sehen, wie er den Plan durchdachte. Er sprach leise und betont, seine Stimme war von Furcht und einem Hauch gefährlicher Neugier durchtränkt. „Du willst Nicol Bolas hintergehen.“

Vraska nickte. Sie blickte finster drein, und ihre Tentakel wanden sich vor Wut und Entschlossenheit. „Wenn dieser Unhold glaubt, dass ich danebenstehe und zulasse, dass er meine Welt mit meiner Hilfe erobert, kann er sich auf was gefasst machen. Und ich würde ihn immer wieder hintergehen, um ihn davon abzuhalten, Ravnica das Gleiche anzutun wie Amonkhet.“

Die Abscheu in Jaces Gesicht war Faszination gewichen. Er blickte Vraska mit verschwörerischer Wissbegier an. „Über welche Art von Sabotage reden wir hier?“

Einen letzten Rest von kriminellem Talent hatte er sich in all den Jahren seit der Manaklinge also doch noch bewahrt. Vraska warf Jace einen wohlwollenden Blick zu und begann, den Anfang ihres Plans zu erläutern.

„Er hat mir den Titel einer Gildenanführerin versprochen. Gesetzesmagie wohnte Ravnica schon inne, bevor Azor dort eintraf. Die Metaphysik dieser Welt ist um Hierarchien herum aufgebaut, und die Gildenanführer haben Zugriff auf diese Macht, und zwar besonders dann, wenn sie zusammenarbeiten. Ich trete das Amt an und arbeite weiter als sein Lakai, während du dein Ding als Gildenbund tust und an einem Plan arbeitest. Der Drache wird nichts ahnen, denn ich werde nicht auf deiner Seite sein, bis du mich daran erinnerst, dass ich es bin. Wenn du bereit bist und in dem Moment, in dem wir Nicol Bolas am meisten schaden können, gibst du mir meine Erinnerungen zurück und wir setzen deinen Plan in die Tat um. Selbst wenn er bemerkt, was du tust, wird er nicht glauben, dass es klappen kann, denn er wird annehmen, dass ich ihm gegenüber loyal bin.“

Laut ausgesprochen fühlte der Plan sich irrsinnig an, aber Vraska wusste, dass er aufgehen würde. Jace war wahrscheinlich der zweitbeste Telepath in Multiversum gewesen, bevor er sich daran erinnert hatte, was sein Mentor ihn gelehrt hatte. Aber nun? Nun war er heil. Nicht mehr zerschlagen. Wenn er als Junge eine Sphinx brechen konnte, was konnte er dann wohl als Erwachsener ausrichten?

Vraska spürte, dass Jace zu verstehen begann. Er blickte sie zögernd an. „Du würdest mir deine Erinnerungen anvertrauen?“

„Ich vertraue dir voll und ganz“, sagte sie mit eiserner Entschlossenheit.

Und wie konnte sie auch nicht? Er war wie sie. Zum ersten Mal erkannte Vraska, dass sich so eine Partnerschaft anfühlte, und ihre Überzeugung wuchs. Wie seltsam es war, jemandem zu vertrauen und Vertrauen zurückzuerhalten.

Der Ausdruck auf Jaces Gesicht verriet ihr, dass er das noch nie zuvor von jemand anderem gehört hatte. Er warf ihr einen Blick voller Staunen und Traurigkeit zu, schloss kurz die Augen und schlug sie dann wieder auf.

„Es gibt eine Technik, die Alhammaret mir beigebracht hat“, sagte er beklommen. Er beugte sich mit auf die Knie gestützten Ellenbogen vor. Seine Körpersprache zeugte nun nicht mehr von unverhohlenem Schrecken, sondern davon, dass er fest vorhatte, ein Problem zu lösen. „Oubevirs Manöver. Es ist eine Möglichkeit, Anzeichen einer mentalen Manipulation zu verschleiern. Ich kann den Zauber nachahmen, den Ugin auf mich gewirkt hat, um die Lücke zu verbergen. Bolas sollte nicht erkennen können, dass etwas entfernt wurde.“

„Bist du sicher?“

„Bolas würde das Fehlen von etwas nicht bemerken, von dem er nicht weiß, wonach er suchen soll. Er ist zu stolz, und er weiß nicht, dass ich hier bin.“

Vraska begann, Hoffnung zu verspüren. „Wer auf Ravnica könnte dabei helfen, einen Plan für diese Sabotage zu entwickeln?“

Jace dachte einen Augenblick nach und nickte dann. „Niv-Mizzet. Er könnte Nicol Bolas sowohl körperlich als auch mental vor eine echte Herausforderung stellen – und er wird wahrscheinlich sehr wütend darüber sein, dass ein Drache schlauer ist als er.“

„Dann wissen wir, was wir zu tun haben.“

Vraska streckte die Hand aus. Jace ergriff sie und drückte sie fest.

„Bist du sicher, dass wir nicht genug Zeit haben, den Plan zu Ende zu denken?“, fragte er.

Vraska schüttelte den Kopf. „Ravnica ist in Gefahr, und du bist seit Monaten fort.“

Jace atmete lange aus. „Dann lass uns anfangen, bevor ich es mir anders überlege.“

Er sah Vraska mit ruhiger Entschlossenheit an. „Du hast mein Wort als Lebender Gildenbund, dass deine Erinnerungen sicher verwahrt und dir unversehrt zurückgegeben werden. Ich schwöre, dass ich einen Plan finde, den wir gegen Nicol Bolas einsetzen können, und ich schwöre, dass ich meiner Verantwortung, Ravnica – meine Heimat – zu beschützen, gerecht werde.“

Vraska sprach mit Zuversicht: „Du hast mein Wort als Kapitänin der Streitlustigen, dass ich alles tun werde, was nötig ist, um Nicol Bolas zu sabotieren, sobald ich meine Erinnerungen zurückerhalten habe. Ich schwöre, mein bewusstes Selbst ganz seiner Vernichtung zu widmen.“

Vraska drückte Jaces Hand und ließ sie dann los. Der Pakt war geschlossen.

Ein Lächeln zuckte in Jaces Mundwinkel. „Sabotieren wir den Unhold.“

Vraska grinste.

Sie fühlte sich aufgeregt, verschreckt und doch zugleich getröstet. Jace würde einen Teil von ihr bewahren, ganz gleich, was auch geschehen mochte. Sie würden Ravnica retten.

„Wohin wirst du gehen, wenn es getan ist?“, fragte sie und nickte zu der Immerwährenden Sonne.

Jace stand auf. „Ich muss meine Freunde auf Dominaria treffen.“

„Um sie anzuwerben?“

„Hauptsächlich, um mich dafür zu entschuldigen, dass ich mich so absurd lange verspätet habe.“

„Immerhin hattest du einen guten Grund.“ Vraska zuckte die Schultern.

„Ich werde allerdings nicht auf Dominaria bleiben, nachdem ich sie gefunden habe.“ Er wurde sonderbar still. Eine kleine Falte entstand zwischen seinen Augenbrauen. „Der Gildenbund gehört nach Ravnica. Ich will nicht wie Azor sein.“

Vraska verstand angesichts des Titels, den er trug, seine Furcht. Sie nickte, und ihre Gedanken schweiften ab, während Jace wieder still wurde.

Einen Augenblick später lachte sie leise. „Mir ist gerade klar geworden, dass ich dich noch immer erkennen werde, wenn ich dich das nächste Mal sehe .. und dass ich mit Sicherheit versuchen werde, dich zu töten.“

„Ich weiß“, sagte er.

Vraska konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. Was für ein eigenartiges Geheimnis, das er zu hüten hatte.

Sie fragte sich, wie es sich wohl anfühlen würde, sich an Ixalan zu erinnern, wenn alles vorbei war. Würde sie sich an die Streitlustige erinnern? Würde sie sich an ihre Freunde erinnern? „Kannst du spüren, wo meine Mannschaft ist?“, fragte sie laut.

Jace hielt einen Augenblick inne und lauschte nach etwas, was sie nicht hören konnte. Er nickte. „Ja. Sie ist in dem Raum über uns. Ich kann Malcolm oder Breeches eine Nachricht senden, wenn du willst.“

Vraska seufzte voller Schuldgefühle. „Sag ihnen, dass wir gefangen genommen wurden. Sag ihnen, dass sie zum Schiff zurückkehren sollen, dass Amelia das Kommando hat und dass diese Mannschaft das Beste ist, was mir je passiert ist. Das ist die Wahrheit.“

Jaces Augen leuchteten kurz mit dem azurblauen Licht seiner Magie auf. „Erledigt“, sagte er traurig. „Ich werde sie auch vermissen.“

„Wir werden sie wiedersehen“, sagte Vraska überzeugt. „Ich will sie nicht vergessen.“

„Das wirst du nicht“, versicherte ihr Jace. „Dafür werde ich sorgen.“

Vraska ließ die Schultern kreisen. Sie lockerte sich auf – es war Zeit für das Finale. „Wie wollen wir es angehen? Soll ich zuerst Tezzeret rufen?“

„Ich muss zuerst jede Erinnerung finden, die du an mich hast“, erwiderte Jace. „Du kannst Tezzeret rufen, sobald ich damit fertig bin. Ich nehme an, er hat die Weltenbrücke instand gesetzt, damit er die Immerwährende Sonne über sie von hier entfernen kann. Danach können wir diese Welt verlassen.“

„Warte.“ Vraska runzelte besorgt die Stirn. „Wie werde ich wissen, dass meine Erinnerungen echt sind, wenn ich sie zurückerhalte?“

Jace stellte sich ihr direkt gegenüber. „Ich nenne dich bei deinem Titel, wenn ich dich wiedersehe – bevor ich dir deine Erinnerungen zurückgebe.“

„Du wirst mich Gildenanführerin nennen?“

Sein Blick wurde weich. „Ich werde dich Kapitänin nennen.“

Ehrliche Freude zupfte an den Falten um ihre Augen. „Das wird gehen.“

Er streckte die Hände nach ihr aus. „Darf ich?“, fragte er. Vraska nickte, und er legte ihr die Finger auf die Schläfen.

Vraska lächelte. „Wenn all das vorüber ist  .. kann ich dir dann den Zinnstraßen-Markt auf Ravnica zeigen?“

Jace gab ein trauriges Lächeln zurück. „Ich weiß wieder, wo der Zinnstraßen-Markt ist.“

„Ja, aber ... Ich möchte ihn dir zeigen. Ein bisschen Kaffee trinken. Ich kenne einen wirklich guten Buchladen.“

„Du magst Bücher?“, fragte Jace mit einem hoffnungsvollen, glücklichen Blick.

Vraska nickte. „Ich hole mir ein Geschichtsbuch und du irgendwelche Baupläne oder was auch immer du gern liest“, neckte sie ihn.

Er lachte. „Ich mag Memoiren.“

„Wirklich? Du magst Memoiren?“

„Ich mag interessante Leute“, sagte er mit einem sanften, verlegenen Lächeln.

Vraska lächelte. „So machen wir es.“

Sie nickte und schloss die Augen. „Sprich mit Niv-Mizzet. Ersinne einen Plan, der die anderen Gildenmeister erfordert, und komme als Letztes zu mir. Lass es den anderen Drachen nicht bemerken. Und dann ..."

„Sabotage“, beendete Jace den Satz aufgeregt.

Er stellte eine mentale Verbindung zwischen ihnen her. Vraska fühlte sich plötzlich, als hätte sie auf einer Bühne hinter einem Vorhang gestanden, der nun langsam hochgezogen wurde. Seine Präsenz war zurückhaltend, doch sie spürte, wie er vorsichtig durch ihren Verstand streifte.

Wenn ich irgendetwas zu nahe komme, was ich nicht sehen soll, dann sag es einfach und ich ziehe mich zurück.

Vraska nickte.

Ich hinterlasse auch ein paar Erinnerungen, die Nicol Bolas finden kann, damit er die Lücke nicht bemerkt. Ist das in Ordnung?

Ja, erwiderte Vraska. Sie fühlte sich schuldig, dass sie so viel von Jaces Vergangenheit gesehen hatte.

Das war nicht deine Schuld, sagte Jace und holte die Erinnerung an das Flussufer hervor, sodass sie sie beide sehen konnten. Sie spürte, wie er sie durch ihre Augen sah, und erkannte, wie schlimm die Dinge dort im Schlamm um ihn gestanden hatten, verloren in den Fluten seiner eigenen Vergangenheit. Jaces Anwesenheit in ihrem Verstand war seltsam tröstlich – als würde man sich an der Seite eines Gefährten ein Theaterstück ansehen. Sie gingen beide die Erinnerungen an ihre gemeinsamen Augenblicke durch, nahmen sie auseinander und breiteten sie vor sich aus. Jace stieß einen langen, geistigen Pfiff aus, als er sah, wie schlecht er anfangs auf dieser von Vogelexkrementen bedeckten Insel ausgesehen hatte. Sie beide lächelten, während sie sich dabei zusahen, wie sie Seite an Seite bei dem Überfall gekämpft hatten. Vraska war den Tränen nahe, als sie sich ihr Gespräch in der Kombüse anschaute.

Deine Geschichte verdient es, erzählt zu werden, sagte Jace.

Er hielt inne, als er das Ende der Erinnerung an das Flussufer erreichte, an sich selbst, in Trauer verloren und in Vraskas Armen ruhend. Vraska wusste, dass Jace verstand – jetzt, da ihr Verstand mit dem seinen verschmolzen war –, dass dies das erste Mal gewesen war, dass sie jemanden willentlich berührt hatte.

Dann fühlte Vraska sich, als würde sie hinabsinken. Das Flussufer verschwand, alles wurde dunkel und wolkig, und etwas Unvertrautes zeigte sich ihr: ein Schacht aus verwittertem Schiefer, und die Wände in seinem Inneren waren mit zahllosen Texturen von Erinnerungen ausgekleidet. Sie sah, wie ihre Erinnerungen an Jace zu einem Bündel geschnürt und in eine Kiste gelegt wurden, versiegelt von einem unzerstörbaren Schutz. Sie spürte, wie Jace die Kiste in dem Schacht verbarg und ihre Anwesenheit mit einem Zauber verschleierte.

Sicher verstaut, versprach Jace.

Wir sehen uns bald, sagte Vraska.

Zinnstraßen-Markt, ja? Kaffee und ein Buch?, fragte er hoffnungsvoll.

Kaffee und ein Buch, erwiderte sie freudig. Ihr Gesicht fühlte sich warm an, und Vraska lächelte.

Sie hätte schwören können, dass sie das Geräusch von Regen hörte.

Ihre Gedanken waren klar und kühl, ihr Körper entspannt.

Sie fühlte sich, als stünde sie während eines Frühlingsschauers im Freien.

Angenehm und erfrischt.

Sie öffnete die Augen.

Sie blinzelte und blickte sich in dem leeren Raum um.

Wie bin ich hierhergelangt?

Es war stickig, und ein seltsamer Thron stand am anderen Ende der Kammer. Sie hatte das Gefühl, dass dieser Ort nicht von jedem betreten werden sollte. Aus dem Raum über ihr konnte sie leises Raufen hören. In die Decke war eine große Scheibe eingelassen. Sie zog den Thaumaturgischen Kompass hervor, und er zeigte – natürlich – nach oben.

Ich habe sie gefunden!

Vraska streckte die Hände aus und wirkte den Zauber, den ihr Auftraggeber ihr vor Monaten beigebracht hatte.

Er war kompliziert und erforderte eine Menge Konzentration und mehr Energie, als sie erwartet hatte. Der Zauber schoss wie ein Lichtblitz aus ihr heraus.

Vraska wartete eine ganze Minute. Sie fragte sich, ob die Magie Wirkung zeigen würde, und sprang überrascht auf, als sich ein violetter Kreis geradewegs unter der Immerwährenden Sonne öffnete.

Sie spürte eine seltsame Verlagerung in ihren Inneren, als die Sonne auf eine andere Welt gezogen wurde. Als sich das Portal schloss, verließ auch Vraska diese Welt.


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