Weltklasse

Veröffentlicht in Magic Story on November 29, 2017

Von Mark Rosewater

Working in R&D since '95, Mark became Magic head designer in '03. His hobbies: spending time with family, writing about Magic in all mediums, and creating short bios.

„Guten Morgen, Klasse.“

„Guten Morgen, Frau Skiffle!“

„Heute beginnen eure mündlichen Prüfungen. Wie ihr wisst, geht es um Politikwissenschaften. Wer aufgerufen wird, steht bitte auf und kommt nach vorne. Denkt daran, zuerst euch selbst und dann euer Thema vorzustellen. Eure Bewertung erfolgt anhand eurer Präsentation, des Inhalts und eurer Fähigkeit, Fragen zu beantworten. Ich möchte euch alle noch einmal bitten, euch als Publikum gegenüber euren Mitschülern fair zu verhalten. Also dann, lasst uns beginnen. Martina?“

„Hallo Leute. Ich bin Martina und ich möchte heute über die Carta Scientia sprechen. Das bedeutet ‚Wissenschftliche Statute‘. Es handelt sich hierbei um das älteste Dokument in ganz Bablovia. Das wohl bekannteste Zitat daraus lautet: ‚Wir werden nichts verstehen, bevor wir nicht die Welt verstehen, die uns umgibt.‘ Die Kernaussage ist wohl, dass Wissenschaft super wichtig ist. Also richtig ultra, mega wichtig. So wichtig, dass darin Regeln dazu geschrieben stehen, wie jede Wissenschaft ihr eigenes Verwaltungsorgan formen sollte.

Damals dachte man bestimmt, wir würden Institutionen um die wissenschaftlichen Grundrichtungen herum formen: Biologie, Chemie, Physik und so weiter. Unglücklicherweise hatten die Autoren dieses Dokuments anscheinend keinen Plan von der menschlichen Natur. Anstatt die Leute dazu zu ermutigen, die Welt durch die Augen eines Wissenschaftlers zu sehen, machten sie die Wissenschaft zu einem Instrument, um die Massen zu kontrollieren. Deshalb haben wir jetzt fünf Bonzo-Regierungen, eine wahnsinniger als die andere, und alle preisen sie verrückte Experimentierfreude an, als wäre es eine Tugend.“

„Martina, es geht bei dieser Prüfung darum, mit Fakten zu glänzen, und nicht darum, deine Meinung zu etwaigen Fakten kundzutun.“

„Wirklich? Nehmen wir dafür am Unterricht teil? Damit wir wie Papageien das nachplappern, was uns seit Kindestagen eingetrichtert wird?“

„Könntest du bitte einfach bei den Fakten bleiben?“

„Sie wollen Fakten? Gut. Die Carta Scientia war ein bedeutendes Dokument, welches Bablovia in eine Welt verwandelte, in der alle geradezu besessen von neuen Trends sind. Du möchtest dich in eine Maschine oder ein Tier verwandeln, oder deinen Nachbarn ausspionieren oder bedrohen oder ihn einfach in die Luft sprengen? Kein Problem, denn es gibt eine entsprechende Regierung für dich. Und falls du dich mal fragst, ob das, was du vorhast, moralisch verwerflich ist, kannst du dich jederzeit mit immer neuen Spielzeugen ablenken.“

„Martina, was denkst du über den Einfluss, den die Carta Scientia auf unsere Welt hatte?“

„Nun, sie hat alles verändert. Zum Schlechteren! Mehr fällt mir dazu nicht ein!“

„Martina, du solltest doch … Okay, okay. Machen wir mit dem nächsten Sprecher weiter. Anabelle?“

„Hallo, ich heiße Anabelle und ich werde über den Aufbau unserer Regierung sprechen, beziehungsweise unserer Meta-Regierung. Bablovia ist derzeit eine Pentarchie. Eine Pentarchie besteht aus fünf eigenständigen Gruppierungen, jede mit ihrer eigenen Regierung oder einem eigenen Herrscher. Die fünf Gruppierungen auf Bablovia sind der Orden der Apparate, die Agenten von S.C.H.L.E.I.C.H., die Liga arglistigen Unheils, die Goblin-Detonierer und die Labormischlinge. Interessanterweise hat jede von ihnen eine andere Regierungsform.“

„Der Orden der Apparate ist eine Technokratie, in der alles durch technische Abläufe beherrscht wird. Ihr Anführer ist der Große Kalkulator – eine Maschine, die den Orden mit absoluter Autorität leitet. Jede Entscheidung für diese Organisation wird vom Großen Kalkulator berechnet. In ihrer Verfassung ist eine Klausel verankert, die sofort denjenigen zum Anführer aufsteigen lässt, der den Großen Kalkulator an Rechenleistung übertrifft – egal ob Mensch, Tier oder Maschine. Bisher hat jedoch niemand gewagt, die Herrschaft des Großen Kalkulators anzufechten.“

„Die Agenten von S.C.H.L.E.I.C.H. sind eine Kleptokratie, also eine Regierung bestehend aus Dieben. Ihre derzeitige Anführerin, seit letzter Woche, ist Phoebe. Entsprechend den Gesetzen von S.C.H.L.E.I.C.H. führt immer diejenige Person die Organisation an, die im Besitz des Goldenen Lineals ist. Diese Regelung sorgte allein dieses Jahr bereits für sechzehn Führungswechsel, wobei es sich jedoch fast ausschließlich um die selben drei Individuen handelt. Die meisten Führungswechsel wurden mithilfe einer schattenhaften Figur namens X initiiert, die sich immer wieder dafür bezahlen lässt, das Goldene Lineal zu stehlen.“

X
X | Illustration von Dmitry Burmak

„Die Liga arglistigen Unheils ist eine Oligarchie – eine Regierung, in der eine kleine Gruppe Privilegierter die Fäden zieht. Die Gruppe, die derzeit die Liga kontrolliert, ist als Legion des Bösen bekannt. Sie hat genau vier Mitglieder: Graf Zahl, die Fixe Idee, Gruselda und Blechmarie. Doch nicht nur die Mitglieder der Legion haben sich über die Jahre immer wieder verändert. Auch die Gruppe, die den Ton angibt, hat in der Geschichte der Liga viele Male gewechselt. Vor der Legion des Bösen war es die Schäbige Schickeria. Davor war es der Klan der Grausamkeit … und davor die Boshaften Männer.“

„Doch nun zu den Goblin-Detonierern. Sie haben keine wirkliche Regierungsform – zumindest keine, die jemand anderes als ein Goblin als solche anerkennen würde. Es handelt sich dabei zu gleichen Teilen um das Gesetz des Stärkeren, eine Regierung durch die am wenigsten qualifizierte Person, das Gesetz des Dümmeren und eine Demokratie. Manchmal tut ein Goblin etwas Gewagtes und andere folgen ihm. Ein anderes Mal stimmen sie tatsächlich über Dinge ab. Sie sind besessen von Hämmern, also gewinnt für gewöhnlich die Seite mehr Stimmen, die mehr Hämmer in Aussicht stellt. Der derzeitige Alpha-Goblin – ich würde ihn nicht unbedingt als Anführer bezeichnen – ist Ol' Buzzbark. Er ist sehr destruktiv und daher sehr beliebt bei den Detonierern.“

„Bei den Labormischlingen regiert die Intelligenz. Sie sind ähnlich einer Schule strukturiert. Die Schlaueren agieren als Anführer und auch als Lehrmeister. Der Schuldirektor, sozusagen, ist derzeit Dr. Julius Mischmorph. Er gehört zu den Wissenschaftlern, denen ursprünglich die Perfektionierung der genetischen Spleißtechnologie gelang, die den Labormischlingen den Weg zu einer eigenen Regierungsform ebnete. Für gewöhnlich trifft er alle wichtigen politischen Entscheidungen.“

„Nach bablovianischem Recht muss eine generelle Änderung am System der Pentarchie von allen fünf Fraktionen abgesegnet werden. So etwas ist seit vielen Jahren nicht mehr passiert. Die Aufzeichnungen zum letzten Fall liegen viele Jahre zurück. Damals erpresste die Liga arglistigen Unheils, geführt vom Klan der Grausamkeit, die anderen Fraktionen mit einer Wettermaschine. Allerdings wurden diese Aufzeichnungen gestohlen, höchstwahrscheinlich durch die Agenten von S.C.H.L.E.I.C.H. Das Nichtvorhandensein eines allumfassenden Verwaltungsrats hat dazu geführt, dass jede Fraktion die Gebiete bestimmt, die sie kontrolliert. Dabei handelt es sich nicht um geographische Gebiete, sondern um Fachgebiete.“

„Damit möchte ich gerne meinen Vortrag zum Aufbau unserer Meta-Regierung abschließen.“

„Das war sehr gut, Anabelle. Ich habe ein paar Fragen an dich. Woher hast du all diese Informationen?“

„Der Orden der Apparate hat eine gut sortierte Bibliothek.“

„Dort hast du alle Fachbegriffe gefunden?“

„Ja, hab ich.“

„Und welche der fünf Regierung regiert deiner Meinung nach am effektivsten?“

„Der Orden der Apparate.“

„Welche gibt ihren Bürgern die meisten Freiheiten?“

„Die Goblin-Detonierer.“

„Wenn du in einer Regierung mitregieren dürftest, welcher würdest du dann gerne angehören?“

„Der Liga arglistigen Unheils.“

„Wirklich? Und warum?“

„Es wäre bestimmt spaßig, zur Führungsriege zu gehören.“

„Okay. Danke, Anabelle.“

„Kareem, jetzt bist du dran.“

„Mein Name ist Kareem und ich hab eine krasse Geschichte für euch. Sie handelt von der Entstehung des Ordens der Apparate. Diese Organisation wurde vor 54 Jahren von einem Typen namens Calvin Granderson gegründet. Nun, der Typ war krass drauf. Calvin war im Urlaub und wollte unbedingt Toast essen, denn er liebte Toast über alles, versteht ihr? Dummerweise gab es dort, wo er übernachtete, zwar Brot, aber es gab keinen Toaster. Da Calvin wie viele Bewohner Bablovias ein Erfinder war, designte er sofort nach seiner Rückkehr einen tragbaren Toaster, den er auf Reisen mitnehmen konnte.“

„Auf der nächsten Reise nahm er ihn mit, doch er unternahm einen Tagesausflug in die Hafenstadt Gizmo und entschied, dass er es 24 Stunden ohne Toast aushalten könne, also ließ er ihn zurück. Das sollte sich als schlimmer Fehler herausstellen, denn vor dem Schlafengehen sehnte er sich nach Toast. Ich meine, wer tut das nicht? Um niemals wieder in diese Verlegenheit zu geraten, traf er eine Entscheidung: er ersetzte seine linke Hand durch einen Toaster. Calvin war Rechtshänder und da er seine linke Hand nicht viel benutzte, entschied er, sie für eine dauerhafte Lösung seines Toasterproblems zu opfern.“

„Einige Zeit später ersetzte er einen Teil seines rechten Oberschenkels durch ein Kühlfach. Den Grund dafür könnt ihr euch sicherlich denken, hm? Er liebte Buttertoast und nun konnte er auch seine Butter verstauen. Natürlich tauschte er danach seinen rechten Zeigefinger gegen ein Buttermesser.“

„Calvins Errungenschaften waren selbstverständlich in aller Munde und er stand plötzlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Andere, die von ihm und seinem Buttertoast inspiriert wurden, begannen ebenfalls damit, sich Upgrades zu besorgen. Hände, Arme, Beine, Füße und ganze Brustkörbe wurde durch funktionale Technologie ersetzt. Viele von euch sind Apparatiere, also wisst ihr, wie cool das ist. Die Modeerscheinung wurde zu einer Bewegung und Calvin fand sich bald im Zentrum dieses technologischen und philosophischen Paradigmenwechsels. Er gründete den Orden der Apparate, um mehr Leute unterstützen zu können, die die neue Ideologie der Selbsthilfe begrüßten.“

„Calvin verschrieb sein Leben total dem Orden und besorgte sich über die Jahre immer mehr Upgrades. Er tauschte so ziemlich alles an seinem Körper gegen Maschinen aus – abgesehen natürlich von Toaster, Kühlfach und Buttermesser –, um bessere Berechnungen zum Verwalten seiner Organisation anstellen zu können. Als er mehr als 90 % seines Körpers ersetzt hatte, entschied er, auch seinen Namen auszutauschen. Aus Calvin Granderson wurde Kalkulator Granderson und daraus später der Große Kalkulator. Er führt seine Leute seit 54 Jahren erfolgreich an. Und dieser Mann, der technisch gesehen nun eine Maschine ist, genießt immer noch Buttertoast, wann immer ihm danach ist.“

„Vielen Dank, Kareem. Nun bin ich neugierig. Warum, glaubst du, haben sich so viele Leute dem Orden der Apparate angeschlossen? Sie werden es nicht alle aus Liebe zu Toast getan haben.“

„Ich denke, sie wollten sich und anderen helfen. So wie Calvin, der sich zum Kalkulator machte. Der Orden tut viel dafür, anderen Leuten zu helfen.“

„Warum hast du nicht mehr darüber erzählt?“

„Mein Vater meinte, der Teil mit dem Toast sei witziger.“

„Okay. Danke, Kareem. Du darfst dich setzen. Juanita ist die Nächste.“

„Hallo zusammen. Mein Name ist Juanita und ich spreche heute über die Agenten von S.C.H.L.E.I.C.H. Es handelt sich bei ihnen um eine Art Geheimdienst, der … Nun ja, niemand weiß, was er tut.“

„Du meinst, es ist geheim?“

„Nein, nein, nein. Ich habe mich für diesen Vortrag mit 34 ihrer Agenten unterhalten. Niemand wusste was. Jedes Mal, wenn ich einen von ihnen fragte, kam als Gegenfrage, ob jemand anderes es wissen würde. Ganz ehrlich, ich finde es ziemlich seltsam, dass niemand Bescheid weiß.“

„Nun, vielleicht ist es ein Geheimnis, das sie vor dir geheimhalten wollten.“

„Die sind furchtbar, was Geheimhaltung anbelangt. Ich hab ihr Geheimversteck gefunden, weil es ein Schild hat, auf dem ‚Geheimversteck‘ steht.“

„Dann erzähl uns doch, was du alles herausgefunden hast.“

„Die Agenten von S.C.H.L.E.I.C.H. haben ursprünglich als Jobbörse angefangen. Die Leute posteten Aufträge, die sie erledigt haben wollten, und andere Leute kümmerten sich gegen Bezahlung darum. Da wir hier auf Bablovia sind, begannen die Leute damit, immer ausgefallenere Geräte zu bauen, um Aufträge effektiver erledigen zu können. Alles lief aus dem Ruder und die meisten gaben mehr Geld für ihre Geräte aus, als sie mit Aufträgen verdienen konnten. Bald schon begannen die ersten damit, Verbrechen zu verüben, um die Weiterentwicklung ihrer Geräte finanzieren zu können. Sobald sich herumgesprochen hatte, dass die Auftragnehmer zu allem bereit waren, erschienen immer verrücktere Stellenangebote und die Jobbörse entwickelte sich schnell zum Sammelbecken des organisierten Verbrechens.“

S.C.H.L.E.I.C.H.-Abfertiger
S.C.H.L.E.I.C.H.-Abfertiger | Illustration von John Thacker

„Juanita, wie hast du von dieser Jobbörse erfahren?“

„Ich habe sie gesehen. Sie befindet sich in ihrem sogenannten Geheimversteck. Es handelt sich um ein schwarzes Brett. Es ist gleichermaßen beeindruckend und deprimierend. Man kann dort jeden beliebigen Auftrag posten und irgendjemand wird sich darum kümmern, wenn der Preis stimmt. Und ich meine wirklich JEDEN beliebigen Auftrag.“

„Vielleicht ist das ihre Agenda?“

„Nein, die Jobbörse scheint mehr so etwas wie ein Hobby für sie zu sein. Soweit ich das beurteilen kann, besteht die Lieblingsbeschäftigung der Agenten von S.C.H.L.E.I.C.H. darin, sich gegenseitig auszuspionieren. Sie sind allesamt ziemlich paranoid und besessen von Spionage-Utensilien. Sie erfinden immer neue Geräte, um sich gegenseitig auszukundschaften.“

„Gibt es etwas, was die Agenten von S.C.H.L.E.I.C.H. wollen?“

„Bis auf immer neue, coole Geräte und die neuesten Geheimnisse fällt mir nichts ein. Alle Agenten, die ich interviewt habe, hatten eigentlich nur ein Ziel: herauszufinden, was sie eigentlich tun sollen. Einige von ihnen sind sogar besorgt, dass ihre ganze Organisation nur ein Scherz einer anderen Fraktion sein könnte.“

„Gibt es sonst noch etwas, das wir wissen sollten?“

„Es würde mich nicht wundern, wenn wir gerade von einigen Agenten ausspioniert werden würden, die nicht glauben wollten, dass ich wirklich eine Studentin bin. An alle, die zuhören: Seht ihr, ich bin wirklich eine Studentin.“

„Okay. Danke, Juanita.“

„Harold, du bist der Nächste.“

„Ich heiße Harold und ich berichte von der Liga arglistigen Unheils. Im Gegensatz zu den Agenten von S.C.H.L.E.I.C.H. ist ihr Ziel ganz klar: Sie wollen die Weltherrschaft an sich reißen. Ich weiß, nicht sehr originell.“

„Und wie gedenken sie, diesen Plan in die Tat umzusetzen?“

„Tja, darum dreht sich so ziemlich jede Debatte innerhalb der Liga. Einige wollen einfach alle anderen töten, einige wollen alle anderen versklaven, wieder andere wollen nur, dass die Welt sie fürchtet. Ein paar wollen die Welt mittels Massenhypnose unterjochen … Es gibt ungefähr so viele verschiedene Pläne, wie die Liga Mitglieder hat.“

„Wie genau ist die Liga eigentlich entstanden?“

„Interessanterweise begann alles als eine Art Selbsthilfegruppe für Superbösewichte. Ein Bösewicht namens Major Monolog wollte die Wasservorräte der Stadt vergiften, doch er verwechselte das Gift mit einer fluoridhaltigen Lösung und befreite die Bürger der Stadt von Karies. Er war ziemlich niedergeschlagen und fand andere gescheiterte Kriminelle, um sich mit ihnen über Misserfolge auszutauschen. Scheinbar scheitern Superbösewichte viel häufiger beruflich als durchschnittliche Angestellte. Die Selbsthilfegruppe kam in Mode und immer mehr Bösewichte ließen sich dort blicken.“

„Die Gruppe wuchs und wuchs und schon bald gab es gesonderte Meetings zu den verschiedensten Pannen: gescheiterte Banküberfälle, Weltuntergangsmaschinen-Fehlfunktionen, Unfälle in Geheimverstecken und so weiter. Aus der Untergruppe, die sich der schlechten Planung von Fallen gewidmet hatte, wurden später die Boshaften Männer, die sich als erste darum bemühten, aus der Gruppe eine offizielle Fraktion zu formen.“

„Wofür genau ist die Liga derzeit zuständig?“

„Sie stellt Lizenzen für Superbösewichte aus. Wenn man auf kreative Weise die gesamte Bevölkerung der Stadt bedrohen, einen Superhelden entführen oder eine thematisch stimmige Verbrechensserie durchziehen möchte, muss man das vorher mit der Liga klären. Sie bieten jede Menge Unterstützung an. Man kann bei ihnen kostümierte Schergen mieten, es gibt ein Programm, bei dem man zusammen mit anderen Bösewichten Maschinenteile kaufen kann, um Rabatte zu erhalten, und die Liga behält den Kalender im Auge, damit sich nicht zu viele Forderungen an die Stadt zeitlich überschneiden.“

„Von allem, was du über die Liga erfahren hast, was hat dich am meisten überrascht?“

„Dass es ein Vermittlungsprogramm für Praktikanten gibt. Ich glaube, diesen Sommer werde ich Dr. Böse beim Bau seiner Gefrierstrahlenkanone helfen.“

„Danke, Harold. Das war sehr informativ.“

„Gern geschehen. Die Recherche für diesen Report hat Spaß gemacht. Ich hätte nicht gedacht, dass die Liga so cool ist.“

„Ming-na. Du bist dran.“

„Hallo. In meiner Präsentation geht es um die Goblin-Detonierer. Oh, und mein Name ist Ming-na, offensichtlich.“

„Ming-na, es ist alles okay. Du brauchst nicht nervös zu sein. Erzähl uns einfach von den Goblin-Detonierern.“

„Es begann vor Jahren mit der Dampfpeitscher GmbH. Damals war es nichts weiter als ein Stahlwerk. Sie kochten, gossen und walzten Stahl – was man halt so macht, in einem Stahlwerk. Hier auf Bablovia besteht natürlich eine riesige Nachfrage nach Stahl und so hatten sie sehr viel zu tun. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, denn es gab bald immer mehr Konkurrenten, sparten sie bei den Sicherheitsmaßnahmen und es ereigneten sich immer mehr Unfälle. Das Werk geriet in Verruf und es wurde für sie immer schwieriger, neue Arbeiter zu finden. Inmitten dieser Krise hatte die Vorsitzende der GmbH, eine Frau namens Thorna Grabbler, eine radikale Idee.“

„Sie begab sich hoch in die Berge und sprach mit den Goblins. Nur zur Erinnerung: Damals lebten noch alle Goblins in den Bergen. Gerüchten zufolge soll sie einen ganzen Stamm versammelt und den Goblins verschiedene Gerätschaften gezeigt haben, in der Hoffnung, die glitzernden Dinge würden ihnen gefallen. Ihr Plan funktionierte … allerdings nicht so, wie sie es sich vorgestellt hatte. Der Gegenstand, der die Goblins am meisten faszinierte, war das Werkzeug, das sie mitgebracht hatte, um alles zusammenzubauen – ein Hammer. Sie hatten nie zuvor einen Hammer gesehen und waren sofort Feuer und Flamme. Thorna erzählte ihnen, dass sie in ihrer Fabrik viele Hämmer benutzen dürften. Der gesamte Goblin-Stamm kam daraufhin zur Arbeit in ihr Stahlwerk.“

„Anfangs funktionierte alles wunderbar. Den Goblins gefiel die Arbeit und sie gaben sich mit Hämmern und Schrott als Bezahlung zufrieden, viel weniger also, als Thorna ihren anderen Arbeitern bezahlte. Doch bald schon taten die Goblins das, was ihnen im Blut liegt: sie experimentierten. Meistens führte das zu fürchterlichen Katastrophen, doch manchmal machten sie auch bahnbrechende Entdeckungen. Viele Goblins starben, doch dank ihrer aggressiven Vermehrung stieg ihre Anzahl sogar.“

„Es gab eine Bewegung, die die Goblins aus der Fabrik entfernen wollte, also nahm Thorna deren Experimentierfreude zum Anlass, eine neue politische Fraktion zu gründen. Sie ließ die Goblins selbst über den Namen entscheiden und so entstanden die Goblin-Detonierer. Als eigene Fraktion hatten die Goblins mehr Spielraum bei ihren Experimenten.“

„Durch ihre steigende Anzahl und die Gefährlichkeit ihrer Experimente brachten sie alle Nichtgoblin-Arbeiter dazu, zu kündigen. Auf die Arbeiter folgten die Manager, die ebenfalls ihren Hut nahmen. Die Goblins begannen damit, all diese Rollen auszufüllen. Letztendlich ging sogar Thorna selbst. Die Goblins hatten die Dampfpeitscher GmbH komplett übernommen. Von da an wurde alles noch seltsamer. Die Goblins hörten damit auf, einfach nur Stahl zu produzieren, und stellten immer ausgeklügeltere Apparate her.“

„Was macht die Dampfpeitscher GmbH jetzt?“

„Das weiß niemand so genau. Die Goblins scheren sich nicht darum, ihre Produkte zu verkaufen. Man kann anhand der Geräusche, die aus den Fabrikhallen nach draußen dringen, nur Vermutungen darüber anstellen, woran sie tatsächlich arbeiten. Vor vielen Jahren erschien ein einzelner Dampfpeitscher-Boss in der Stadt und sein wilder Auftritt sorgte für allerlei Spekulationen.“

„Was glaubst du? Woran arbeiten die Goblins?“

„Keine Ahnung. Vielleicht stellen sie einen wirklich, wirklich großen Hammer her?“

„Danke, Ming-na. Das hast du sehr gut gemacht. Nadima, jetzt bist du dran.“

„Hallo, alle zusammen! Ich bin Nadima und ich werde etwas über die Labormischlinge erzählen. Diese Geschichte beginnt vor 28 Jahren in einem Universitätslabor. Dr. Julius Jameson, Dr. Luisa Rodriguez und Dr. Hana Tanaka forschten nach einem Heilmittel gegen Krebs. Die drei galten als führende Wissenschaftler auf diesem Gebiet. Ihre Forschung deutete darauf hin, dass eine Leguan-Art aus dem Süden immun gegen eine bestimmte Art der Zellmutation war, die sich mit Krebs vergleichen lässt. Sie hofften, der Menschheit mittels einer neuartigen Behandlung die gleiche Immunität verleihen zu können. Doch anstatt Immunität zu erlangen, wuchs dem Testsubjekt ein Schwanz.“

„Dr. Rodriguez und Dr. Tanaka sahen darin eine Niederlage, doch Dr. Jameson realisierte, dass ihnen etwas Großes gelungen war. Ihre Technik erlaubte es, Teile anderer Tiere an sich selbst zu transplantieren. Seine Kollegen erkannten die Tragweite dieser Entdeckung nicht, aber Dr. Jameson wusste, dass sie etwas gefunden hatten, was die gesamte Menschheit umformen würde – nicht nur die Menschheit, sondern alle Spezies. Was wäre, wenn die Wissenschaft einem Individuum die Macht geben würde, zu allem werden zu können, was sein Herz begehrt?“

Clevere Kombination
Clevere Kombination | Illustration von Kev Walker

„Um zu demonstrieren, was er meinte, unterzog sich Dr. Jameson selbst der Behandlung, um ein Paar Flügel zu erhalten. Fliegen zu können war schon immer sein Traum gewesen, und nun hatte er ihn verwirklicht. Als er die Behandlung den Studenten der Universität zugänglich machte, war der Andrang enorm. Such dir ein Tier aus und erhalte seine beste Eigenschaft. Und man musste sich nicht mal auf ein Tier beschränken. Wenn man zum Teil Schildkröte und zum Teil Jaguar sein wollte, konnte einem geholfen werden.“

„Die Universität wurde zum Zentrum einer neuen Lebensweise und die Leute kamen aus den entferntesten Winkeln Bablovias, um sich dieser entstehenden Kommune anzuschließen. Die Leute ließen sich verändern und lebten dort unter Gleichgesinnten, die einen nicht dafür verurteilten, dass man halb Tier, halb etwas anderes sein wollte. Dr. Jameson unterzog sich mit der Zeit unzähligen Behandlungen und fügte seinem Körper ein Tier nach dem anderen hinzu. Nachdem er sogar Dinosaurier-DNA in seinen Körper injizierte, änderte er seinen Namen zu Dr. Julius Mischmorph.“

„Was genau machen die Labormischlinge?“

„Sie haben zwei Dinge geschworen. Erstens, dass sie jedem helfen werden, seine ‚wahre Form‘ zu erlangen, und zweitens, dass sie allen Behandelten ein Zuhause bieten, wo sie in Frieden leben können.“

„Und wie sind sie zu ihrer eigenen Regierung geworden?“

„Es gab Gerüchte über neue Gesetze, mit denen die Behandlung illegal werden sollte, also überzeugte Dr. Mischmorph ein paar Politiker, ihm zu helfen, nachdem er ihnen geholfen hatte, ihre wahre Form zu finden.“

„Was hast du aus deinem Studium der Labormischlinge gelernt?“

„Ich habe gelernt, dass meine wahre Form wahrscheinlich halb Dachs, halb Mungo ist.“

„Interessant. Danke, Nadima. Ich glaube, damit sind wir für heute mit den Vorträgen durch.“

„Was ist mit mir?“

„Steward, entschuldige. Ich hab dich aus Versehen für nächste Woche eingetragen. Komm nach vorne.“

„Hallo, ich bin Steward und mein Thema sind Eichhörnchen.“

„Das ist aber nicht das Thema, das ich dir zugeteilt hatte.“

„Das Leben ist zu kurz, um sich immer nur an das zu halten, was einem zugeteilt wird.“

„Aber so funktio… Hmpf! Weißt du was? Schön. Erzähl uns was über Eichhörnchen.“

„Bablovia liebt die Wissenschaft. Also so richtig, mein ich. Es ist eine heiße Liebesaffäre. Aber niemand redet über die Auswirkungen dieser Beziehung. Und genau deshalb möchte ich über die Eichhörnchen sprechen.“

„Aber was haben die Eichhörnchen mit … Entschuldige, mach bitte weiter.“

„Einer der Grundpfeiler der Wissenschaft sind Experimente. Doch um experimentieren zu können, benötigt man Testsubjekte. Über Jahrzehnte hinweg war hierbei die Labormaus immer die erste Wahl. Sie war die perfekte Wahl. Mäuse reagieren gut auf Veränderungen, sie sind leicht zu halten und es gab sie in rauen Mengen. Mit der Zeit fanden in Bablovia immer mehr Experimente statt. Immer mehr Labormäuse wurden dafür benötigt.“

„Irgendwann überstieg die Anzahl der Experimente die Anzahl der verfügbaren Labormäuse. Niemand kümmerte sich um dieses Problem, bis es zu spät war. Als man realisierte, dass die Labormaus vom Aussterben bedroht war, war es bereits zu spät, um diese Art zu retten. Die Liga versuchte, die Mäuse zu klonen, aber wir wissen ja alle, was das für ein schlimmes Ende nahm. Jedenfalls starb die letzte Labormaus von Bablovia vor 13 Jahren.“

„Zuerst wusste niemand, wie es weitergehen sollte, doch dann schlugen die Labormischlinge eine interessante Lösung vor. Das Tier, was der Labormaus mit seinen Eigenschaften am nächsten kam, war das Eichhörnchen. Um zu verhindern, dass die Eichhörnchen irgendwann das gleiche Schicksal ereilen würde wie die Mäuse, wurden Veränderungen an ihnen vorgenommen, um sie zutraulicher und widerstandsfähiger zu machen, und um ihre Vermehrung zu beschleunigen. Man doktorte an ihrer DNA herum, um sie zu den bestmöglichen Testsubjekten zu machen.“

„Ähm, das ist so weit ganz interessant, Steward, aber was hat das alles mit Regierungen zu tun? Heute geht es um Regierungsformen auf Bablovia.“

„Es gibt viele wissenschaftliche Abhandlungen darüber, dass die DNA-Anpassung mehr als nur geeignete Testsubjekte aus den Eichhörnchen gemacht hat. Viele glauben, die Eichhörnchen haben dadurch Weisheit erlangt.“

„Ich sehe immer noch nicht die Verbindung zu den Regierungen.“

„Nun, ich bin überzeugt, dass alle fünf Fraktionen insgeheim von Eichhörnchen gelenkt werden.“

„Ich bekomme nicht genug Geld für diesen Job. Danke, Steward, für diesen aufschlussreichen Einblick in die … ähm, Welt der Eichhörnchen.“

„Moment, ich war noch nicht fertig. Ich habe Beweise für meine Behauptung. Na ja, technisch gesehen sind es eher Vermutungen als Beweise, aber wir sollten darüber sprechen, wenn wir uns damit befassen, wie Bablovia regiert wird.“

„Unglücklicherweise haben wir heute keine Zeit mehr übrig, Steward. Ich möchte allen heutigen Sprechern für ihre Mühe danken. Das war alles sehr interessant. Vergesst nicht, dass Montag diejenigen dran sind, die über die verschiedenen Städte sprechen. Bereitet euch gut vor. Danke euch allen. Der Unterricht ist beendet.“

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